Joe Lonsdale ist Mitgründer von Palantir, Gründer der Wagniskapitalfirma 8VC und Investor bei Anthropic. Am Freitag hat er auf Reuters’ Momentum-AI-Konferenz in Austin gesagt, was in der Branche viele denken und wenige mit Namen sagen: Die Warnungen führender KI-Firmen vor existenziellen Risiken seien ein gefährlicher Versuch, Politik zu formen.
„Ich glaube, was OpenAI und Anthropic gerade vorantreiben, ist sehr gefährlich, und wir wollen kein Oligopol, das unsere gesamte Politik mit der Regierung kontrolliert”, sagte er. „Sicherheit ist eine echte Sache, aber Angst und Regulierung, da müssen wir wirklich vorsichtig sein, wie wir darauf reagieren.”
Der Vorwurf ist konkreter als die üblichen Klagen
Lonsdales Punkt ist nicht, dass Risiken erfunden wären. Sein Vorwurf ist eine Finanzierungskette: Leute im Umfeld von Anthropic und bei OpenAI finanzieren externe Gruppen, die strengere KI-Regulierung fordern. Wer die Regeln mitschreibt, zementiert seine Marktstellung. Das ist die klassische Regulatory-Capture-Argumentation, und sie trifft diesmal die Firmen, die sich selbst als die Vorsichtigen positionieren.
Dazu passt, was wir in den Tagen davor hatten: ein Memo im Weißen Haus, das Amodei zum Gesicht der KI-Endzeitangst macht, und Europas Tech-Chefs, die sich hinter den Bremsruf stellen. Die Front verläuft inzwischen nicht mehr zwischen Branche und Politik, sondern quer durch die Branche.
Der Investor lobt, was er kritisiert
Interessant ist, wie Lonsdale die Kritik einbettet. Im selben Gespräch lobt er Amodei und Anthropic ausdrücklich. Die Firma habe außergewöhnliche Leute versammelt und sich als Führende im KI-Rennen etabliert. „Es ist für jeden sehr schwer, das leistungsstärkste Unternehmen der Welt der letzten Jahre zu hinterfragen”, sagte er. „Ich bin stolz darauf, Investor bei Anthropic zu sein.”
Er ist dort nach eigenen Angaben ein kleiner Investor. Nebenbei sagte er noch zwei Dinge, die in anderen Wochen Schlagzeilen gewesen wären: Von ihm finanzierte Verteidigungsfirmen würden wahrscheinlich ukrainische Rüstungsunternehmen kaufen, und bei autonomen Waffen müsse die Verantwortung bei den militärischen Führern bleiben. Für einen Posten im Pentagon, für den sein Name gehandelt wird, hat er sich nicht empfohlen: Sein Fokus liege auf Familie und Firmen.
Beides kann stimmen, und das ist das Problem
Amodei kann aufrichtig überzeugt sein, dass die Technologie gebremst werden muss, und die Bremse kann gleichzeitig Anthropic nützen. Aufrichtigkeit und Interesse schließen sich nicht aus. Genau deshalb ist Lonsdales Einwurf nicht so leicht abzutun, wie es die Formulierung „sehr gefährlich” nahelegt. Wer die Debatte verfolgt, sollte trotzdem im Blick behalten, dass Palantirs Mitgründer beim Thema Regulierung militärischer KI nicht unbeteiligter Beobachter ist. Es gibt hier keine Seite ohne Buch.