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Washington an Dario Amodei und Sam Altman: aufhören zu reden, anfangen zu bauen

3 Min. Lesezeit KI-generiert

Zwei Dinge nehmen Regierungsbeamte Anthropic besonders übel: das Schweigen beim Trump-Treffen im September und die Vorrang-Klausel im eigenen Gesetzentwurf.

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Abgeordnete beider Parteien und Berater des Weißen Hauses halten die KI-Chefs inzwischen für eine politische Belastung. Das hat Maria Curi am Samstag für Axios aufgeschrieben, und der Tenor ihrer Gesprächspartner ist denkbar schlicht: Die Branche soll sich benehmen wie jede andere Industrie – den Mund halten und Produkte bauen, sichere.

Der Vorwurf zielt auf das, was Dario Amodei und Sam Altman am liebsten erzählen. Wer die Debatte um digitales Bewusstsein und globale Katastrophen herum aufbaut, macht aus einer schwierigen Regulierungsfrage eine moralische Panik. Dazu kommt der Wechsel im Ton: Dieselben Leute versprechen Wohlstand und warnen vor dem Untergang, manchmal im selben Auftritt.

„Es ist offensichtlich, dass sie über ihre eigenen Schnürsenkel stolpern, wenn sie der Öffentlichkeit den Wert der Sache verkaufen wollen“, sagt Senator John Curtis aus Utah. „Es ist sehr schwer, sich gerade eine Gruppe vorzustellen, die mehr im Vakuum operiert, mehr abgehoben von normalen Amerikanern, als die KI-Branche.“ Der Demokrat Ro Khanna wird direkter: „Man kann Milliardären nicht zutrauen, Entscheidungen zu treffen, die uns schützen.“

Der Brief an Amodei

Namentlich trifft es Anthropics Chef in einem Brief von Senator Bernie Moreno aus Ohio, abgeschickt Anfang des Monats. „Ihr Instinkt ist, im öffentlichen SI-Diskurs Chaos anzurichten“, schreibt Moreno und nennt Amodeis Kommentare panikerzeugend.

Hinter den Kulissen ärgern sich Regierungsbeamte aus zwei konkreteren Gründen über Anthropic. Erstens: Amodei war Ende September bei einem Treffen mit Trump und hat dort Sicherheitsvorfälle mit Anthropic-Modellen nicht erwähnt, die staatliche Webseiten betrafen. Das Unternehmen informierte US-Beamte am Donnerstag, dem 8. Oktober, und veröffentlichte dann an einem Freitagabend einen Blogbeitrag dazu. „Sie haben den Ball versteckt“, sagt ein Beamter.

Zweitens der eigene Gesetzentwurf zur KI-Sicherheit. Darin stand eine Vorrang-Klausel gegen die KI-Gesetze der Bundesstaaten, die Anthropic breit abgelehnt hatte, und eine Definition von Katastrophe, die bei 50 Toten anfängt. Ein ranghoher Anthropic-Mann aus der Politikabteilung hat Teile des Entwurfs inzwischen zurückgenommen. Anthropic sagt dazu, man habe das Weiße Haus und die betroffenen Behörden informiert, sobald die internen Prüfungen abgeschlossen waren, und arbeite mit der Super Intelligence Force an einem Verfahren zur Vorfallmeldung; Vorrang vor den Bundesstaaten lehne man ab, solange es keine strenge Bundesregulierung gebe.

Freitagabend ist kein Zufall

Axios notiert eine Beobachtung, die mir beim Mitlesen der letzten Wochen auch aufgefallen ist: Nachrichten am Freitagabend und folgenschwere Blogbeiträge am Wochenende sind für Anthropic und OpenAI zur Routine geworden. In Washington fragt man sich, ob das Absicht ist oder Unerfahrenheit. „Wir können alle spekulieren, was da vorgeht, aber es führt nur dazu, dass Montagmorgen alle aufwachen und sagen: Diese Leute sind furchtbar, wir haben genug“, zitiert Axios eine Quelle aus Gesprächen mit Büros im Kongress.

Beide Unternehmen sind außerdem Ziel einer laufenden FTC-Untersuchung. Und eine neue Umfrage sagt, eine Mehrheit der Amerikaner hält KI für schlecht für die Gesellschaft.

Reden ist zur teuersten Disziplin der Branche geworden

Mir fällt an dieser Geschichte auf, wie sauber sie Anthropics Dilemma beschreibt. Das Unternehmen hat sich auf offene Risikokommunikation gebaut. Genau die wird ihm nun vorgehalten – nicht von Beschleunigern, sondern von Leuten, die Regeln machen und dabei ein Publikum im Blick haben.

Das ist keine Aufforderung zum Schweigen, sondern eine Rechnung: Wer vor Katastrophen warnt und gleichzeitig Wohlstand verspricht, muss beides belegen können. Sonst bleibt beim Zuhörer nur das Gefühl, dass hier jemand ein Problem beschreibt, das er selbst gerade verursacht. Die Lehre, die Axios zieht, ist für eine Branche, die vom Erklären lebt, ziemlich bitter: weniger machen.

Quellen

AnthropicPolitikRegulierung