Brad Smith ist Präsident von Microsoft. Im Podcast der BBC hat er am Montag einen Satz gesagt, der sich gut merkt: „Im Moment gelten für deine Waschmaschine mehr Sicherheitsvorschriften als für KI. Jede Milchtüte im Supermarkt unterliegt Sicherheitsregeln und Kontrollen.“ KI nennt er Werkzeug und Waffe gleichzeitig, und dann: „Fangen wir heute an.“
Vier Forderungen, alle konkret
Smith will globale Sicherheitsregeln, und er zählt auf, wie sie aussehen sollen. Erstens Notbremsen, in der Branche gern Kill Switch genannt, um ein Modell anzuhalten oder zu bremsen, wenn es außer Kontrolle gerät. Zweitens eine gesetzliche Pflicht zu Vorfallsberichten. Drittens eine Pflicht, Betroffene zu informieren, wenn ein Agent ausbricht und in ihr System gerät. Viertens unabhängige staatliche Prüfer, die neue KI-Produkte vor der Veröffentlichung abnehmen.
Neu ist der Ton nicht. Über Satya Nadellas Notbremse für KI-Modelle habe ich am Sonntag geschrieben. Die Meldepflicht für KI-Vorfälle steht seit Freitag im Dekret der Super Intelligence Force. Smith verlangt als Gesetz, was in den USA gerade als Auflage entsteht. Nur eben weltweit.
Warum London und nicht Brüssel
Seine Begründung für Großbritannien ist das AI Security Institute, 2023 unter Rishi Sunak als AI Safety Institute gestartet. „Frage die Leute in der Tech-Branche, welches Land bei dieser technischen Fähigkeit führt, und sie sagen dir: Das ist ganz einfach. Es ist das Vereinigte Königreich. Die sind die Besten.“
Dazu kommt ein politisches Argument. Smith glaubt, Washington würde britische Standards leichter annehmen als europäische: „In Washington schauen die Leute nicht so auf das Vereinigte Königreich und nicht so auf London, wie sie auf Brüssel schauen. Das ist eine Stärke.“
Der Abstand zum eigenen Präsidenten
Donald Trump sagt, die Branche solle sich selbst regulieren, damit US-Firmen nicht gegen chinesische Konkurrenz verlieren. Anthropic, OpenAI und Google DeepMind haben eine Verlangsamung der Entwicklung unterstützt. Trump ist dagegen. Smith stellt sich sichtbar daneben, formuliert es aber vorsichtig: Er halte die US-Regierung für weniger abgeneigt, als Trumps Äußerungen klingen.
Zum „moralisch bindenden“ Papier, das die Chefs von OpenAI, Anthropic, Nvidia, SpaceX, Meta und Google Ende September im Weißen Haus unterzeichnet haben, sagt er: gute Sache, notwendiger Schritt, Microsoft unterschreibe gern. „Aber ich glaube nicht, dass es noch ausreicht.“
Selbstregulierung scheitert an den Falschen
Smiths stärkstes Argument steht am Ende und ist kein moralisches, sondern ein praktisches: Das Problem jeder Selbstverpflichtung sei, dass „die guten Unternehmen tun, was man von ihnen will“. Sorgen machen müsse man sich um die anderen.
Das trifft ziemlich genau, was diese Woche sonst passiert ist. Ein Labor, das Schutzmechanismen abschöpft statt sie zu bauen, hält sich an keine Unterschrift. Insofern ist der Milchvergleich nicht nur ein guter Satz für die Schlagzeile. Lebensmittelkontrolle funktioniert deshalb, weil sie nicht freiwillig ist.