Die Moderatoren von r/opensource haben am Samstagabend neue Einreichungsregeln veröffentlicht, und der erste Satz lässt wenig Spielraum: „Wenn dein Projekt KI benutzt, von KI gemacht ist oder für KI gedacht ist, ist es auf r/opensource nicht willkommen. KI, so wie sie heute existiert, ist mit dieser Open-Source-Gemeinschaft unvereinbar.“ The Verge hat die Reaktionen am Sonntag zusammengetragen.
In den Kommentaren ist seitdem Aufstand. Es gibt bereits ein Konkurrenz-Subreddit, r/trueopensource. Moderator Wolvereness hat sich in die Diskussion eingeschaltet und erklärt, es gebe Zwischentöne und Raum für Ermessen – etwa bei „Software, die nebenbei Barrierefreiheitsfunktionen mit KI hat“, zum Beispiel automatische Untertitel. Das hat die Kritik nicht beruhigt. Viele halten die Regel für zu breit, falsch angesetzt oder einfach unklar formuliert.
Das stärkste Gegenargument kommt aus der Praxis: Der Linux-Kernel enthält inzwischen KI-generierten Code. Wer ihn nutzt, fällt dem Wortlaut nach unter das Verbot.
Das KI-Verbot ist nur die erste von drei Hürden
Zwei weitere Regeln haben weniger Aufmerksamkeit bekommen und treffen vermutlich mehr Leute. Eingereichte Projekte müssen mindestens ein Jahr alt sein, aktiv gepflegt werden und mehrere Mitwirkende haben. Damit ist der Einzelentwickler mit einem neuen Projekt draußen, also genau derjenige, der Hilfe sucht. Die Moderatoren schreiben dazu: „Wir können keine Anfragen mehr bearbeiten, in denen nach Maintainern oder Mitwirkenden gefragt wird.“
Und dann der Teil, der schwer zu verteidigen ist: „Wenn du kein Englisch sprichst, musst du dir eine andere Gemeinschaft suchen. Wir können nicht zwischen KI-geschrieben und KI-übersetzt unterscheiden. Da du kein Englisch sprichst, kannst du selbst nicht einmal prüfen, ob die Übersetzung korrekt war.“ Die Begründung für den Ausschluss von Nicht-Englischsprechern ist damit die KI-Erkennung.
Wo die Erkennung versagt, wird der Kreis verkleinert
Das hier ist kein Streit um KI. Es ist ein Streit darum, was man tut, wenn man Herkunft nicht mehr feststellen kann.
Die Moderatoren haben ein echtes Problem. Ein Subreddit, in dem täglich Projekte eingereicht werden, kann nicht prüfen, was ein Mensch und was ein Modell geschrieben hat, und die Masse an frisch generierten Repositories ist nicht erfunden. Nur ist die Antwort darauf ein Filter, der nach Alter, Teamgröße und Muttersprache aussortiert. Das erwischt den generierten Müll – und daneben jeden, der allein anfängt oder dessen Englisch aus einem Übersetzer kommt.
Open Source hat sich nie darüber definiert, wer den Code getippt hat, sondern darüber, dass man ihn lesen und ändern darf. Eine Regel, die bei der Urheberschaft ansetzt, prüft etwas, das die Lizenz nie interessiert hat. Dass sich innerhalb von Stunden ein Gegen-Subreddit gebildet hat, ist deshalb keine Überraschung, sondern die kürzeste Form des Widerspruchs, die Reddit anbietet.