Anthropic & Claude

Anthropic und Hg bauen eine KI-Beratung für Europa, mit Sitz in London und Berlin

3 Min. Lesezeit KI-generiert

Accenture verlor am Freitagnachmittag über vier Prozent. Anthropic finanziert die Firma aus der eigenen Bilanz, Hg über seine verwalteten Fonds.

Featured image for "Anthropic und Hg bauen eine KI-Beratung für Europa, mit Sitz in London und Berlin"

Anthropic gründet eine Beratungsfirma für Europa, gemeinsam mit der Londoner Private-Equity-Gesellschaft Hg. Die Financial Times hat das am 23. Oktober berichtet, City A.M. hat es am selben Tag aufgegriffen. Starten soll die Firma bis Ende des Jahres, mit Standorten in London und Berlin. Anthropic hat auf eine Anfrage nicht geantwortet, Hg wollte sich nicht äußern.

Die Zielgruppe ist eng beschrieben: B2B-Softwarehäuser und Unternehmen mit vielen Büroangestellten. Anthropic bringt eigene KI-Berater und Ingenieure in diese Firmen hinein. Finanziert wird das Ganze doppelt – Anthropic aus der eigenen Bilanz, Hg über die von ihm verwalteten Fonds.

Drei Gründe, und alle haben mit Geld zu tun

Dem Bericht zufolge soll die Beratung neue Einnahmequellen für Anthropic öffnen, Schwung für den geplanten Börsengang erzeugen und einen Teil der hohen Rechenzentrumskosten auffangen. Der dritte Punkt liest sich im Zusammenhang mit dem geleakten Entwurf der Börsenunterlagen: Danach steht für das erste Halbjahr 2026 ein Nettoverlust von über 80 Milliarden Dollar in den Papieren, der größte Teil davon aus Buchungseffekten.

Die Reaktion an der Börse kam schnell und traf nicht Anthropic. Accenture, in New York notiert, lag am Freitagnachmittag über vier Prozent im Minus.

Wer hier wirklich angegriffen wird

Die Liste der Betroffenen schreibt sich von selbst: Accenture und die Big Four, also Deloitte, EY, KPMG und PwC. Diese Häuser verdienen daran, Unternehmen bei der Einführung neuer Technik zu begleiten, und sie investieren Millionen, um dabei bei KI mitzuhalten. Wenn der Modellanbieter diese Beratung selbst anbietet, fällt eine Stufe weg.

Anthropic hat so etwas schon einmal gemacht. Im Februar brachte das Unternehmen ein Werkzeug für juristische Arbeit heraus, und die Aktien der größten europäischen Anbieter von Rechtsdaten und Rechtssoftware gaben in den Wochen danach nach.

Eine Beratung ist das Gegenteil eines Modellgeschäfts

Software skaliert, Beratung nicht. Jeder zusätzliche Kunde braucht zusätzliche Köpfe, und die muss man anwerben, bezahlen und halten, und zwar in einem Markt, in dem Anthropic selbst zu den Arbeitgebern gehört, die am schwersten zu übertreffen sind. Dass ein Unternehmen mit solchen Compute-Kosten jetzt ein personalintensives Dienstleistungsgeschäft aufbaut, ist deshalb keine naheliegende Entscheidung.

Der Partner erklärt viel davon. Hg ist auf B2B-Software spezialisiert und hat genau die Firmen im Portfolio, die als Kunden in Frage kommen. Das ist weniger eine Beratung auf dem freien Markt als ein Weg, Claude in Unternehmen zu bringen, zu denen ein Investor schon die Tür hält. Und Berlin als zweiter Standort neben London sagt, dass hier nicht der britische Markt gemeint ist, sondern der europäische – mit allem, was die KI-Verordnung an Beratungsbedarf erzeugt.

Eine Einschränkung bleibt: Das Ganze steht auf einem Bericht mit nicht genannten Quellen. Anthropic hat nicht geantwortet, Hg hat abgelehnt. Bestätigt ist noch nichts.

Quellen

AnthropicBusinessEuropa