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Anthropic S-1: 16,3 Milliarden Dollar Umsatz und 80,7 Milliarden Dollar Verlust

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Dario und Daniela Amodei haben 2025 je rund 655.000 Dollar Grundgehalt bezogen und 80 Prozent ihrer privaten Anteile gemeinnützigen Zwecken zugesagt.

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Das Wall Street Journal hat einen neuen Entwurf von Anthropics Börsenprospekt gesehen und am Montagabend die Zahlen daraus veröffentlicht. Es sind die ersten Halbjahreszahlen, die das Unternehmen überhaupt offenlegt: 16,3 Milliarden Dollar Umsatz im ersten Halbjahr 2026, nach 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Dazu ein Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar.

Der Verlust ist zum größten Teil Buchhaltung

72 der 80,7 Milliarden Dollar sind nicht zahlungswirksam. Sie stammen aus der Neubewertung von Wandelanleihen und ähnlichen Finanzierungsinstrumenten – je höher die Bewertung des Unternehmens klettert, desto teurer werden diese Papiere in der Bilanz. Operativ bleibt ein Verlust in der Größenordnung von acht bis neun Milliarden Dollar. Das ist viel, aber es ist eine andere Geschichte als „80 Milliarden verbrannt“.

Interessanter ist die Kostenseite. Für Rechenleistung und Infrastruktur hat Anthropic im ersten Halbjahr knapp 9 Milliarden Dollar ausgegeben. Im gesamten Jahr 2025 waren es 7,3 Milliarden. Die Kurve knickt also nicht ab, sie steilt sich auf.

Zwei Kunden, ein Fünftel des Umsatzes

Rund 20 Prozent der 16,3 Milliarden Dollar kamen von zwei Kunden. Anthropic schreibt selbst in den Risikofaktoren, dass ein kleiner Kundenkreis auch künftig einen erheblichen Teil des Umsatzes tragen wird. Wer die Namen sucht, findet sie im Prospekt nicht.

Zur Führungsebene steht dort dagegen Konkretes: Dario und Daniela Amodei haben 2025 je rund 655.000 Dollar Grundgehalt bezogen. Beide haben 80 Prozent ihrer privaten Anteile gemeinnützigen Zwecken zugesagt, zusätzlich zum Public Benefit Fund über 5 Prozent der Aktien.

Dazu kommen Risiken, die man in einem S-1 selten so direkt liest: Anthropic nennt Fehlverhalten der eigenen Modelle und schwere Sicherheitsvorfälle ausdrücklich als Gefahr und hält fest, dass Schäden aus einem solchen Vorfall die bestehenden Versicherungssummen übersteigen könnten.

450 Milliarden Dollar sind schon zugesagt

Für die nächsten zehn Jahre hat Anthropic unkündbare Cloud-Verträge über rund 450 Milliarden Dollar unterschrieben: 111 Milliarden mit Google Cloud, 110 Milliarden mit AWS, 31 Milliarden mit Microsoft. Insgesamt könnten es in den kommenden Jahren bis zu 750 Milliarden Dollar werden, inklusive der Deals, die gerade verhandelt werden. Der Nscale-Vertrag über 45 Milliarden Dollar, über den ich gestern geschrieben habe, gehört in diese Kategorie.

Und noch etwas steht im Prospekt: Anthropic hat bei den Hyperscalern mehr Kapazität angefragt, als sie liefern wollten. Deshalb baut das Unternehmen inzwischen an eigenen Rechenzentren mit Dritten.

Die unangenehme Zahl steht nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung

Über die IPO-Bewertung von 1,5 Billionen Dollar habe ich letzte Woche geschrieben, und mit 16,3 Milliarden Halbjahresumsatz sieht die plötzlich weniger absurd aus. Der Verlust ist erklärbar. Die 450 Milliarden fester Verpflichtungen sind es weniger: Sie müssen bezahlt werden, ob der Umsatz weiter so wächst oder nicht. Anthropic wettet damit auf eine Nachfrage, die heute noch nicht existiert. Bisher ist diese Wette jedes Mal aufgegangen.

Quellen

AnthropicIPOFinanzen