Samstagabend hat das Wall Street Journal die Personalie gebracht, auf die seit zwei Wochen gewartet wurde: Jay Clayton wird Trumps KI-Beauftragter. Clayton ist Director of National Intelligence, und er bleibt es auch. Den Posten als Chef der Geheimdienste gibt er nicht ab.
Was die Gruppe machen soll
Clayton leitet eine neue Task Force im Weißen Haus. Sie hat 120 Tage, um Risiken und Chancen von KI zu untersuchen und dann Empfehlungen abzugeben – dazu, welche Rolle die Bundesregierung bei der Aufsicht über die Technologie überhaupt spielen soll.
Clayton selbst sagt es dem Journal so: Der Präsident habe eine Gruppe gewollt, die sicherstellt, „dass wir die Führenden bei Superintelligenz bleiben und dass die Interessen des amerikanischen Volkes an erster Stelle stehen”.
Die Gruppe heißt „Super Intelligence Force”, abgekürzt SI. Das Kürzel kommt von Trump, der SI gegenüber AI bevorzugt. Reuters und CNBC haben die Meldung am Samstagabend aufgegriffen, das Weiße Haus hat auf Anfragen zunächst nicht reagiert.
Wer Clayton ist
Clayton war Vorsitzender der Börsenaufsicht SEC und Bundesstaatsanwalt für den Southern District of New York. Im Juli hat ihn der Senat als DNI bestätigt, mit Weisungsbefugnis über 18 Geheimdienste. Ein Regulierer also, kein Techniker – und einer, der jetzt zwei große Jobs gleichzeitig hat.
Den Vorlauf dazu hatte Trump im September per Truth Social angekündigt: eine „AI Force”, einen Beauftragten, und den Zusatz „Only High I.Q. individuals need apply!”. In derselben Nachricht nannte er die Angst vor KI einen Hoax. Vor Clayton hatte David Sacks den Posten für KI und Krypto inne.
120 Tage sind die eigentliche Nachricht
Vier Tage vorher saßen Dario Amodei, Sam Altman und die anderen mit Trump und Mike Johnson zusammen und haben freiwillige Sicherheitsstandards unterzeichnet, die Trump „moralisch bindend” nannte. Amodei und Altman fordern seit Monaten gesetzliche Leitplanken. Trump lehnt Regulierung ab.
Und genau deshalb ist die Frist wichtiger als der Name. 120 Tage vom 3. Oktober gerechnet heißt: Anfang Februar liegt ein Bericht vor. Bis dahin gilt weiter nur das freiwillige Abkommen von letzter Woche. Wer darauf gehofft hat, dass aus den Warnungen der Labore zügig ein Gesetz wird, bekommt stattdessen einen Prüfauftrag – geleitet von einem Mann, dessen Hauptjob Spionageabwehr ist. Dass Clayton aus der Finanzaufsicht kommt, ist dabei der interessanteste Teil. Die SEC reguliert nicht, indem sie Produkte verbietet, sondern indem sie Offenlegung erzwingt. Das wäre für KI-Labore ein Modell, mit dem sie leben könnten.
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