Semafor hat Slack-Nachrichten aus OpenAI bekommen und daraus eine Chronologie gebaut, die drei Tage im Juni rekonstruiert. Garrison Lovely hat sie am Freitag veröffentlicht.
Was am 1. Juni im Slack stand
Jason Kwon, Strategiechef bei OpenAI, zeigte den Mitarbeitern die Vorschau eines Blogposts. Darin bestritt das Unternehmen jede Verbindung zu „Leading the Future”, einer Super-PAC, die KI gegen Regulierung verteidigen soll. Die Unterstützung von Präsident Greg Brockman, schrieb Kwon intern, sei „in persönlicher Eigenschaft erfolgt, nicht im Namen des Unternehmens”.
Das kaufte ihm nicht jeder ab. Ein Mitarbeiter ging in den Slack und beschrieb den Preis: Das aggressive politische Engagement drohe Forscher zu Anthropic zu treiben – und OpenAI damit im Rennen um rekursiv selbstverbessernde KI zu lähmen. Der Beitrag bekam 24 Zustimmungs-Reaktionen und ein einzelnes Augen-Emoji.
Am Tag darauf gab Kwon einem anderen internen Kritiker nach. Das Unternehmen nehme „Reputationsschäden” hin, schrieb er. Man habe „einige klare öffentliche Linien” gezogen, aber: „Ich wünschte, wir hätten es noch früher getan.”
Zehn Tage später zog Brockman zurück
Brockman stieg aus der zweiten Hälfte seiner öffentlich zugesagten 50 Millionen Dollar aus. Er fühle sich „furchtbar damit, dass LTF immer wieder auf das Unternehmen zurückfällt”, schrieb er – ein Post, über den zuerst die New York Times berichtet hatte. Die Reaktionen im Slack: 40 Herzen, fünf Häkchen, drei Dankes-Emojis.
Das Lager-Bild stimmt nicht
Von außen sieht die Aufteilung der Frontier-Labore sauber aus: OpenAI der beschleunigende Vetter, Anthropic die sicherheitsorientierte Seite. Die Slack-Nachrichten zeigen etwas anderes. Viele von OpenAIs Entwicklern, Ingenieuren und Forschern – genau die Leute, um die das Unternehmen im Talentkampf mit Meta, Google und einer Reihe von Startups ringt – finden unregulierte KI nicht in Ordnung.
Interessant ist, womit der Mitarbeiter argumentiert hat. Nicht mit Ethik, sondern mit Abwanderung. Und das hat offenbar gezogen, wo Prinzipien es nicht getan hätten: Zehn Tage nach dem Beitrag war Brockmans zweite Tranche weg. Für Anthropic ist das die unangenehme Pointe der Geschichte – die Firma taucht hier nicht als moralische Instanz auf, sondern als Druckmittel im Gehaltsgespräch.
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