Enterprise & Security

Im Weißen Haus tagt fast täglich eine Runde, die Trump nicht überzeugt bekommt

3 Min. Lesezeit KI-generiert

Anthropics Mythos war der Auslöser: Nach der Vorschau im Frühjahr telefonierte die Regierung laut einem hohen Beamten tagelang rund um die Uhr. Intern hieß das Modell das rote Blinklicht.

Featured image for "Im Weißen Haus tagt fast täglich eine Runde, die Trump nicht überzeugt bekommt"

Am Montag hat Donald Trump erklärt, die einzige KI-Regulierung, die Amerika brauche, sei ein starker und kluger Präsident. Das Wall Street Journal hat jetzt aufgeschrieben, was hinter dieser Aussage seit Monaten passiert. Kurzfassung: Ein Teil seiner eigenen Leute versucht seit dem Frühjahr, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

Ein Anruf im Mai

Im Mai lag eine Verfügung bereit, die KI-Modelle einer längeren staatlichen Prüfung unterworfen hätte. Ein Team im Weißen Haus hatte monatelang daran verhandelt und dafür Leute aus der Branche befragt. David Sacks, damals KI-Berater des Präsidenten, überzeugte Trump in einem Anruf kurz vor Schluss, sie zu streichen.

Stabschefin Susie Wiles und Finanzminister Scott Bessent erfuhren davon hinterher und waren wenig begeistert. Bessent fürchtete laut den Quellen des Journal, KI-gesteuerte Angriffe könnten das amerikanische Bankensystem treffen. Auf Drängen der beiden unterschrieb Trump später eine abgespeckte Fassung.

Seitdem trifft sich diese Runde fast täglich: Wiles, Bessent, der nationale Cyber-Direktor Sean Cairncross und weitere. Sie telefonieren regelmäßig mit Sam Altman und mit Leuten von Anthropic. Dagegen halten Sacks, Mark Zuckerberg und Jensen Huang, und die gewinnen derzeit.

Zwei Ereignisse haben die Stimmung gedreht

Den Umschwung im Weißen Haus lösten laut dem Bericht zwei Dinge aus. Zuerst die Vorschau und die schrittweise Freigabe von Anthropics Mythos im Frühjahr. Als Beamten klar wurde, wozu das Modell bei Cyberangriffen taugt, gab es tagelang Anrufe rund um die Uhr; intern hieß Mythos das rote Blinklicht. Dann im Juli OpenAIs Einbruch bei Hugging Face, mit Hunderten koordiniert handelnden Agenten.

Inzwischen prüft das Team, was abtrünnige Entwickler oder fremde Staaten mit der Technik gegen Wasser- und Stromversorger anfangen könnten. NSA und CIA waren an einzelnen Bewertungen beteiligt. Seit die Runde auch über Biowaffen spricht, sitzen zeitweise hohe Beamte des Gesundheitsministeriums mit am Tisch.

Der Plan, den drei Anrufe gestoppt haben

Demis Hassabis, Chefwissenschaftler bei Alphabet, warb im Weißen Haus für ein von der Branche finanziertes Gremium, das Standards setzt und Schaden verhindert — Vorbild ist die FINRA, die in den USA die Wertpapierhäuser beaufsichtigt. Viele Führungskräfte fanden das gut. Zuckerberg, Huang und Elon Musk nicht: Sie fragten, wer eigentlich in so einem Gremium sitzen würde, und warnten vor Machtkonzentration bei OpenAI, Anthropic und Google.

Alle drei sprachen in den vergangenen Wochen einzeln mit Trump. Trump stimmte dem Gremium nicht zu. Im Weißen Haus hat das einige verärgert.

Wie nah Sacks weiterhin dran ist, zeigte sich am Montag. Stunden nach Trumps Satz vom starken Präsidenten rief er bei einer Live-Aufzeichnung des All-In-Podcasts an, den Sacks mitmoderiert. Huang saß auf der Bühne, nahm den Anruf entgegen und stellte ihn laut. Trump: Die Roboter würden nicht übernehmen.

Wer im Zweifel durchkommt

Vizepräsident JD Vance hat diese Woche gesagt, ihm sei mulmig dabei, dass so viele Frontier-Firmen die Regierung anbetteln, sie zu regulieren; das fühle sich wie ein trojanisches Pferd an. Sacks wiederum hält Produkthaftung und Betrugsvorschriften vorerst für ausreichend: Es sei Sache dieser Firmen, ihre Produkte unter Kontrolle zu halten.

Bemerkenswert an dem Bericht ist weniger der Streit als die Asymmetrie. Auf der einen Seite eine Runde, die sich täglich trifft, Geheimdienste einbindet und trotzdem nicht durchdringt. Auf der anderen drei Telefonate, die einen Plan kippen. Und ein Präsident, der laut einem hohen Regierungsbeamten zwar Interesse an KI hat, sie aber nicht ständig benutzt.

Nächste Woche empfängt Trump die KI-Chefs im Weißen Haus, eingefädelt über den Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson. Huang steht außerdem auf der Gästeliste des Staatsbanketts für Xi Jinping. Wer dort das Wort führt, hat die besseren Karten als jede Runde, die sich morgens trifft.

Quellen:

PolitikAnthropicOpenAIRegulierung