Während in Washington darüber gestritten wird, ob die KI-Entwicklung gebremst gehört, hat das Pew Research Center 42.151 Erwachsene in 36 Ländern und zusätzlich 8.607 Menschen in den USA gefragt, was sie davon halten. Das Ergebnis ist eindeutiger, als man erwarten würde.
In 34 von 37 Ländern erwarten die Leute weniger Arbeit
Gefragt war, ob KI in den nächsten 20 Jahren mehr oder weniger Jobs bringt. In 34 der 37 Länder überwiegt die zweite Antwort. Unsicher ist dabei ein beachtlicher Teil: vielerorts mindestens ein Fünftel, in einigen Ländern mittleren Einkommens vier von zehn.
Die Sorge wächst mit dem Wohlstand. In Australien, Südkorea und den USA sagen rund sieben von zehn Erwachsenen, KI werde Jobs kosten. In den USA, dem einzigen Land, in dem Pew diese Frage schon einmal gestellt hat, ist der Anteil in zwei Jahren um sieben Punkte gestiegen — am stärksten bei den 18- bis 34-Jährigen.
Junge sorgen sich in vielen Ländern mehr als Ältere, in Kanada, Frankreich, Singapur und Schweden ebenso wie in Indien, Indonesien und Malaysia. In elf überwiegend wohlhabenden Ländern sagen Frauen häufiger als Männer, KI koste Jobs; in Frankreich liegen zehn Punkte dazwischen.
Beim Thema Ungleichheit ist das Bild ähnlich: Mehr Menschen erwarten, dass KI die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert, als dass sie sie verkleinert. In Südkorea, Australien, den USA, Griechenland und Kanada sagen das rund vier von zehn. Dass KI die Ungleichheit verringert, glaubt in keinem einzigen Land mehr als ein Viertel — und in 29 Ländern liegt der Wert im einstelligen Bereich. In den USA ist der Abstand zwischen Linken und Konservativen bei dieser Frage 31 Punkte groß.
Der deutsche Befund geht in die andere Richtung
Interessant wird es bei der Frage, ob man KI insgesamt eher besorgt oder eher gespannt gegenübersteht. Über alle 37 Länder sind im Median 37 Prozent eher besorgt und 41 Prozent beides gleichzeitig. Israel ist das einzige Land, in dem mehr Menschen vor allem gespannt als vor allem besorgt sind.
Pew nimmt Deutschland als Beispiel für einen Zusammenhang, der in etwa der Hälfte der Länder auftaucht: Wer viel über KI gelesen oder gehört hat, ist seltener besorgt. Unter Deutschen mit hoher KI-Kenntnis sind 26 Prozent eher besorgt, 59 Prozent beides und 15 Prozent eher gespannt. Unter denen, die wenig oder nichts gehört haben, sind es 41, 51 und 8 Prozent.
Das steht quer zu einer anderen Zahl aus derselben Erhebung: Bei der Frage nach Jobs sind es in etwa der Hälfte der Länder gerade die gut Informierten, die Verluste erwarten. Beides passt zusammen, wenn man es genau liest. Wer viel über KI weiß, rechnet eher damit, dass sie Arbeit ersetzt — und hat trotzdem weniger Angst vor der Technik selbst.
Wissen beruhigt, aber nicht überall
Die Sorge wächst. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der eher Besorgten in Schweden um neun Punkte gestiegen, in Polen um acht, in den Niederlanden um sieben, in Ungarn um sechs und in Australien um vier. In den USA ist der Anteil der 18- bis 34-Jährigen, die eher besorgt sind, seit 2024 von 40 auf 55 Prozent gesprungen. Unter 35 sind heute genauso viele besorgt wie über 50 — vor fünf Jahren waren die Älteren deutlich skeptischer.
Für die Debatte dieser Woche heißt das zweierlei. Erstens: Wer sich über eine Angstspirale beklagt, wie es Bryan Cantrill getan hat, redet über eine Stimmung, die nicht in San Francisco entstanden ist. Sie war in Australien und Südkorea schon da.
Zweitens, und das ist der unbequemere Teil: Nach dem deutschen Befund dämpft mehr Erklären die Angst vor der Technik — die Erwartung, dass Jobs wegfallen, aber gerade nicht. Wer darauf hofft, das Problem mit Aufklärung zu lösen, verwechselt zwei verschiedene Sorgen.
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