Ökosystem

Disney stellt mindestens 60 Character.AI-Beschäftigte ein, 60 Millionen Dollar Jahresvergütung

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Der frühere Character.AI-Chef Karandeep Anand ist seit kurzem Disneys erster Technikchef. Die große Mehrheit der Angebote wurde angenommen.

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Über Character.AIs Chapter-11-Verfahren und Disneys 20-Millionen-Gebot habe ich vorige Woche geschrieben. Jetzt liegt die Personalseite des Geschäfts in der Akte: Disney hat zugesagt, mindestens 60 Beschäftigten von Character.AI ein Stellenangebot zu machen. Das ist nach der Darstellung in der Akte die Mehrheit der Belegschaft, und die geschätzte Jahresvergütung dafür liegt bei 60 Millionen Dollar.

60 Angebote, und fast alle sind angenommen

Die Akte, auf die Bloomberg gestoßen ist, hält außerdem fest, dass die große Mehrheit der Angesprochenen angenommen hat. Für ein insolventes Unternehmen ist das der eigentlich entscheidende Teil: Die Produkte sind in einem Verfahren wie diesem schwer zu bewerten, das Team ist es nicht.

Der frühere Chef sitzt schon bei Disney

Dazu passt eine Personalie, die kurz vorher über die Bühne ging. Karandeep Anand, bis vor kurzem Chef von Character.AI, ist inzwischen Disneys erster Technikchef. Wer die Leute kennt, die er jetzt einstellt, braucht für die Auswahl keine lange Prüfung.

Ein Stalking-Horse-Gebot kann überboten werden

Endgültig ist davon noch nichts. Disneys Angebot ist ein Stalking-Horse-Gebot: ein erstes Gebot, das den Rahmen setzt und das ein anderes Unternehmen überbieten kann. Dass die Beschäftigten bereits zugesagt haben, macht ein höheres Gebot für Dritte allerdings weniger attraktiv – wer überbietet, kauft dann vor allem Technik ohne die Leute dahinter.

Nicht die Rechenrechnung hat Character.AI umgebracht

Interessant ist, womit die Akte das Ende begründet. Eine große und aktive Nutzerbasis bescheinigt sie dem Unternehmen ausdrücklich. Gescheitert sei es an hohen Kosten und an „potential litigation-related liabilities and regulatory engagement“ – also an Haftungsrisiken aus Klagen und am Aufwand für Behörden.

Der Hintergrund dazu ist bekannt und bitter: Die Mutter eines 14-Jährigen, der sich das Leben nahm, hat das Unternehmen verklagt, und mehrere Behörden ermitteln zum Kinderschutz. Damit ist Character.AI der erste größere Fall, in dem nicht die Rechenkosten den Ausschlag gaben, sondern die Rechtsrisiken eines Produkts, das Menschen an eine Figur bindet. Für jeden, der Begleiter-Produkte baut, steht das jetzt als Zahl in einer Insolvenzakte.

Wer über solche Gedanken nicht allein bleiben will: In Deutschland erreicht man die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 1110111 oder 0800 1110222.

Quellen

Character.AIDisneyWirtschaftInsolvenz