Tisch reservieren, Schuhe kaufen, Postfach aufräumen – was die Agenten können, ist nicht mehr die Frage. Immer mehr große Websites lassen sie schlicht nicht mehr durch. The Verge hat zusammengetragen, wo Nutzer in den vergangenen Wochen vor verschlossenen Türen standen, mit Metas Muse, xAIs Grok, OpenAIs Dots und Instinct.
Wer zumacht, und mit welcher Begründung
Yelp hat The Verge über TechCrunch mitteilen lassen, dass nur noch Agenten durchkommen, die für das Datenlizenzprogramm zahlen. Delta Air Lines lässt Agenten keine Tickets im Namen von Nutzern kaufen. JPMorgan Chase und Charles Schwab haben bestätigt, dass sie Agenten den Zugriff auf Konten verwehren, und nennen Sicherheitsbedenken als Grund.
Dazu kommen die Fälle, in denen niemand etwas gesagt hat. Bei Cars.com und Amtrak berichten Nutzer, dass ihr Agent vorher funktionierte und jetzt nicht mehr. Angekündigt wurde nichts. The Verge liest daraus, dass weitere Unternehmen still dichtmachen.
Der Streit zwischen Amazon und Perplexity erklärt das Muster
Das Vorbild liegt ein Jahr zurück. Amazon hat Perplexitys einkaufenden Agenten verboten und das Unternehmen verklagt. Die Begründung aus Seattle: Man habe Perplexity wiederholt aufgefordert, damit aufzuhören, und Dritte, die im Auftrag von Kunden einkaufen, sollten offen arbeiten und die Entscheidung des Anbieters respektieren, ob er mitmacht oder nicht.
Perplexity hat darauf geantwortet, Amazon wolle keine Agenten auf der Plattform, weil dann weniger menschliche Augen vor der Werbung landen. Eigeninteresse hin oder her, der Punkt sitzt. Ein Agent, der einen Artikel in den Warenkorb legt, sieht sich keine Anzeigen an.
Schwabs Chef hält die große Umschichtung für unwahrscheinlich
Einen Tag nach dem Verge-Text hat das Wall Street Journal mit Rick Wurster gesprochen, dem Chef von Charles Schwab. Er hält eine massive, von KI getriebene Umschichtung von Geld für „incredibly unlikely“. Seine Begründung kommt aus einem Kundengespräch: Eine ältere Frau beschrieb ihm ChatGPT als ihre beste Freundin, schreibt den ganzen Tag mit ihr und wünscht ihr gute Nacht. Für größere Geldentscheidungen greift sie zum Telefon und ruft ihren Berater bei Schwab an.
Der Flaschenhals ist nicht mehr das Modell
Für jeden, der Agenten im Browser arbeiten lässt, verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Nicht mehr: Bekommt das Modell die Buchung hin? Sondern: Lässt die Gegenseite den Vorgang überhaupt zu? Die Antwort hängt an deren Geschäftsmodell. Wer von Werbung lebt, verliert durch Agenten Reichweite. Wer von Daten lebt, verkauft den Zugang wie Yelp. Wer Konten führt, sieht ein Haftungsrisiko.
Daraus folgt für die Praxis: Ein Agent, der heute auf einer Seite funktioniert, ist kein Versprechen für morgen. Es lohnt, bei jedem Ablauf, der auf fremde Websites greift, einen Plan B vorzusehen – und die Fälle, in denen offiziell lizenziert wird, von denen zu unterscheiden, in denen man nur noch nicht gesperrt wurde.