Character.AI hat am Montag Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet. Die Firma war einer der ersten Durchbrüche des Generative-AI-Booms: Nutzer bauen dort Chatbots und reden oder spielen mit ihnen. In Pressemitteilung und Blogbeitrag schreibt das Unternehmen, man habe „meaningful steps“ unternommen, um das Geschäft „amid significant legal, regulatory, and operational headwinds“ zu halten.
Das Verfahren dient dem Verkauf. In der Akte stehen geschätzte Verbindlichkeiten zwischen 50 und 100 Millionen Dollar.
Disney bietet als Erster und setzt damit den Boden
Disney übernimmt die Rolle des Lead Bidders. Das heißt, der Konzern legt mit 20 Millionen Dollar für nicht näher benannte Vermögenswerte das Mindestgebot vor, an dem sich Konkurrenzangebote messen müssen. Dazu kommt Übergangsunterstützung „using former Company employees it has hired“, also mit ehemaligen Character-Leuten, die Disney schon eingestellt hat, sowie eine nicht exklusive Lizenz auf nicht benanntes geistiges Eigentum.
Disney hat erst den Chef geholt, dann die Reste
Die Reihenfolge ist der eigentliche Punkt. Kurz bevor Disney als Bieter auftritt, hat der Konzern Karandeep Anand eingestellt, den früheren CEO von Character.AI, als Technikchef. Anand war gut ein Jahr an der Spitze von Character und hat in der Zeit den Schwenk zu Microdramen verantwortet.
Dabei war Disney vorher der Gegner. Der Konzern hatte Character vorgeworfen, der eigenen Marke zu schaden und sein geistiges Eigentum auszunutzen, weil Nutzer dort nicht autorisierte Chatbots von Disney-Figuren bauen konnten. Es gab Unterlassungsaufforderungen.
Von dort zum Lead Bidder sind es wenige Monate. Für 20 Millionen Dollar bekommt Disney einen Teil der Technik, den Mann, der sie kannte, und eine Lizenz, die den Streit um die Figuren erledigt. Character.AI ist seit Monaten wegen der Sicherheit seiner Chatbots unter Druck und hat trotzdem weiter Produkte ausgeliefert. Das Ende kommt jetzt nicht über ein Urteil, sondern über die Bilanz.