Anthropic hat am Sonntag den Anthropic Public Benefit Fund angekündigt. 5 Prozent der Firmenanteile gehen hinein, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre. Der Fonds soll Geld an klassische gemeinnützige Organisationen geben können oder auch direkt an bestimmte Bevölkerungsgruppen auszahlen.
Der Anteil wächst mit dem Firmenwert
Die 5 Prozent sind nur der Einstieg. Für jede Wertsteigerung um 50 Prozent über einem festgelegten Ausgangswert kann der Vorstand weitere 2 Prozent nachlegen. Welche Bewertungsschwellen dabei gelten, will Anthropic erst in den kommenden Monaten nennen – zusammen mit der Struktur und der Governance des Fonds.
Anthropic ordnet das selbst in die Vergütungspraxis der Branche ein: Technologiekonzerne würden ihren Führungskräften üblicherweise Aktienpakete zusagen, die mit dem Firmenwert steigen. Hier gehe dieses Eigenkapital stattdessen an die Allgemeinheit.
Eine LLC, keine Stiftung
Rechtlich wird der Fonds eine hundertprozentige Tochter-LLC und ausdrücklich keine 501(c)(3)-Organisation. Anthropic begründet das mit Beweglichkeit: So lasse sich zwischen verschiedenen Formen des Gebens wechseln. Eine Schranke steht trotzdem drin. Kein Anteil des Eigenkapitals, das die LLC hält, darf für Lobbyarbeit oder politische Spenden verwendet werden, in den USA nicht und außerhalb auch nicht.
Als Beispiel für das, was der Fonds anders könnte als die Firma, nennt Anthropic die Folgen für den Arbeitsmarkt. 200 Millionen Dollar hat das Unternehmen dafür schon zugesagt; bei diesem Tempo der Entwicklung brauche es womöglich größere Hebel.
Zusammen rund 20 Prozent
Die Zusage legt sich auf zwei ältere. Die Mitgründer haben bei der Gründung versprochen, 80 Prozent ihrer eigenen Anteile zu spenden. Dazu gibt es ein Programm, in dem Anthropic gespendete Mitarbeiteranteile verdoppelt; etwa die Hälfte der Belegschaft macht mit. Mit dem neuen Fonds kommt Anthropic damit auf rund 20 Prozent der Aktien, die dem Gemeinwohl zugeschrieben sind.
Der Zeitpunkt gehört zum Börsengang
Die Ankündigung fällt in die Wochen, in denen Anthropic Investoren für den Börsengang einsammelt – über eine Bewertung von 1,5 Billionen Dollar wird dabei offen geredet. Ein Fonds, dessen Anteil mit dem Firmenwert mitwächst, ist in dieser Lage eine Antwort auf die Frage, was von dem Wachstum bei anderen ankommt. TechCrunch stellt die Ankündigung in denselben Zusammenhang: Dario Amodei hat die Stimmung gegenüber KI im August eine Vertrauenskrise genannt.
Was bisher fehlt, ist der Teil, an dem sich so etwas messen lässt. Wer entscheidet, welches Projekt Geld bekommt? Eine LLC im Besitz der Firma hat keine Treuhänderpflichten gegenüber der Allgemeinheit, und die Flexibilität, die Anthropic als Grund nennt, schneidet in beide Richtungen. Die Governance kommt laut Anthropic in den nächsten Monaten. Daran wird sich entscheiden, ob 5 Prozent eine Zusage sind oder eine Absichtserklärung.