Anthropic hat Investoren für den Börsengang zuletzt mit steigenden Umsätzen und schneller Technik geworben, und am Sonntag mit 5 Prozent der Aktien für einen Public Benefit Fund. Ein Teil der Firma bleibt dabei im Dunkeln, schreibt das Wall Street Journal: der Long-Term Benefit Trust, kurz LTBT.
Sitze im Board und ein Veto
Der Trust hat laut WSJ zwei Befugnisse, und beide greifen tief. Er kann das Board mitbesetzen, und er kann größere Entscheidungen blockieren. Fünf Personen sitzen darin. Geregelt ist das in Dokumenten, die Anthropic nie veröffentlicht hat, und auch zur inneren Mechanik des Gremiums ist bisher wenig nach außen gelangt.
Das ist keine Nebenfrage für ein Unternehmen, das an die Börse will. Wer Aktien kauft, kauft normalerweise Stimmrechte. Hier existiert daneben eine Instanz, deren Rechte sich aus einem nicht öffentlichen Papier ergeben.
Treuhänder ohne Anteile
Was Anthropic selbst zum LTBT gesagt hat, zeichnet ein klares Bild der Absicht. Die Treuhänder sollen unabhängig von Management und Investoren sein: Sie halten keine Firmenanteile, sind nicht am Gewinn beteiligt und werden nur für ihre Zeit bezahlt. Genau das soll verhindern, dass wirtschaftliche Interessen die Mission überstimmen.
Besetzt ist das Gremium mit Neil Buddy Shah, Richard Fontaine und Mariano-Florentino Cuéllar. Dazu kam im Juli der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke, der vor allem die wirtschaftliche Forschung begleiten soll.
Zwei Zusagen, zwei verschiedene Arten von Bindung
Die Reihenfolge der letzten Tage ist aufschlussreich. Zuerst die Investorenrunde, dann der Fonds, dann die Frage nach dem Trust. Der Fonds ist eine Zusage über Geld und hat einen Prozentsatz, über den man streiten kann. Der Trust ist eine Zusage über Macht, und bei ihm fehlt die Zahl, an der sich etwas festmachen ließe.
Für Leute, die Claude beruflich einsetzen, hängt daran mehr als Börsenprosa. Der Trust ist die Stelle im Aufbau, die bei einem Konflikt zwischen Sicherheitsversprechen und Geschäft eingreifen soll. Ob sie das kann, steht in einem Papier, das niemand außerhalb der Firma gelesen hat. Ein Gremium ohne Anteile und ohne Gewinnbeteiligung klingt sauber. Ob es Zähne hat, lässt sich ohne die Dokumente nicht beurteilen, und ein Börsengang ist der Zeitpunkt, an dem solche Fragen üblicherweise beantwortet werden müssen.