Der neueste Anwendungsfall für KI ist, den eigenen Fernseher wieder dumm zu machen. Entwickler und Vibe-Coder teilen seit einigen Tagen Rezepte, mit denen sich gesponserte Werbung entfernen, der App-Starter beschleunigen, der Startbildschirm neu bauen und Tracking abschalten lässt. Das berichtet TechCrunch.
Zwei Projekte, ein Prompt
Das eine heißt dumbtv und formuliert seine Absicht auf GitHub so: „Dein Fernseher soll tun, wofür du bezahlt hast: deine Apps, deine HDMI-Eingänge und nichts weiter. Keine Werbung vom Fernseher selbst, kein Zuschau-Tracking, kein Update, um das du nicht gebeten hast.“ Getestet wurde es von Anfang bis Ende auf einem Fire-TV-Gerät und auf Android- und Google-TV-Geräten von Sony, TCL, Philips, Hisense, Xiaomi und Shield. Der Entwickler Muzzammil Yasin Sabuwala empfiehlt, den eigenen KI-Agenten einfach auf das Repository zu richten. Gebaut hat er es mit DeepSeek V4.1 Flash, Claude Opus 5.5 und Claude Sonnet 5.5.
Das andere heißt cleanyourtv und verspricht, jedem Android- oder Google-TV über WLAN die Bloatware wegzunehmen und den Starter durch einen zu ersetzen, der an Apple TV erinnert. Der Entwickler Gathin T. beschreibt den Anlass nüchtern: Er hatte eines Nachmittags genug von der Werbung auf dem Fernseher seiner Eltern. „Ich habe Claude Code das Ding über WLAN aufräumen und einen einfachen Startbildschirm mit nur ihren Apps bauen lassen. Ich habe den Prompt auf GitHub gestellt, Vorher und Nachher getwittert, und in den nächsten zwei Tagen haben ein paar Tausend Leute dasselbe mit ihren Fernsehern gemacht. Xiaomi, TCL, Sony, Fire TV, LG, ein oder zwei Projektoren.“ Root-Zugriff braucht es dafür nicht, und der Werkszustand bleibt erreichbar.
Es geht auch ohne fremdes Repository. Ryan Doyle hat in einem viralen Beitrag auf X beschrieben, dass er Claude Code einfach die Produktbeschreibung seines Fernsehers geschickt und gefragt hat: „Kannst du das hacken?“ Der Agent habe ihn durch den Vorgang geführt; danach seien Werbung und Bloatware weg, die träge Oberfläche schneller und der Bildschirmschoner angepasst gewesen. Mihir Gupta kam über solche Beiträge selbst dazu: „Ein Nachmittag mit Claude Code: 25 Bloat-Apps abgeschaltet, der 192 MB große Standard-Starter durch einen eigenen mit 83 MB ersetzt, dazu wechselnde Hintergrundbilder.“
Warum das die Fernsehwerbung trifft
Moderne Smart-TVs bringen Automatic Content Recognition mit. Die Technik erkennt über Screenshots, Audioschnipsel oder andere digitale Fingerabdrücke, was auf dem Schirm läuft. Genau diese Daten verkauft die Branche an Werbetreibende oder nutzt sie für personalisierte Werbung auf der eigenen Oberfläche. Setzen sich die Entrümpelungs-Rezepte über die Entwicklerszene hinaus durch, trifft das dieses Geschäft an der Wurzel.
Geräte aufzubohren ist nichts Neues. Neu ist, dass es niemand mehr können muss.
Manche haben ihr Gerät zerlegt
Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus. Einige berichten, Claude habe auf ein schlichtes „hack my TV“ nicht reagiert und erst auf ausführlichere Prompts; andere warnen, dass Agenten Fehler machen und wichtige Pakete abschalten können. Eine Person hat ihren Android-TV damit gebrickt, eine andere steckt beim Fire TV auf halbem Weg fest. Wer sich das nicht antun will, kann auch einfach einen Starter wie ATV Launcher, Projectivy Launcher oder FLauncher installieren.
Mich interessiert an der Geschichte weniger der Fernseher als das Muster. Wer mit Claude Code arbeitet, kennt den Punkt, an dem man aufhört, nach einer App für ein Problem zu suchen, und das Problem einfach beschreibt. Dass dieser Punkt jetzt bei Leuten ankommt, die sich über Werbung im Wohnzimmer ärgern, ist der eigentliche Befund – und die gebrickten Geräte gehören zur Rechnung dazu.