Anthropic & Claude

Anthropics Gründer halten 50,1 Prozent der Stimmrechte

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Über dem Vorstand sitzt zusätzlich ein Long-Term Benefit Trust, besetzt mit Leuten aus nationaler Sicherheit und Politikberatung. Investoren haben bislang nichts dagegen.

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Im Prospekt zum Börsengang steht eine Zahl, die bisher kaum jemand aufgegriffen hat: Anthropics Gründer, Dario Amodei eingeschlossen, halten zusammen 50,1 Prozent der Stimmrechte – über eine eigene Aktienklasse. WSJ-Kolumnist Tim Higgins hat sie am Freitagabend in eine Reihe gestellt, die inzwischen lang ist.

Was im Prospekt steht

Die 50,1 Prozent sind knapp bemessen, und das ist Absicht: genau eine Stimme mehr als die Hälfte. Dazu kommt der Long-Term Benefit Trust, der einen erheblichen Teil des Vorstands bestimmt und mit „disinterested“ Mitgliedern besetzt wird – Leuten mit Erfahrung in nationaler Sicherheit und Politikberatung. Die Konstruktion soll Sicherheitsentscheidungen aus dem Zugriff von Investoren und Markterwartungen heraushalten. Anthropic selbst schreibt in der S-1, die Gründergruppe sei „distinctly equipped to be stewards of our mission“.

Von Investorenseite kommt dazu bisher kein Widerspruch. Das ist der Teil, der Higgins interessiert.

Anthropic ist nicht der Sonderfall

Drei Unternehmen, drei Wege zum selben Ergebnis. SpaceX ist im Juni mit einer Doppelklassenstruktur an die Börse gegangen, die Elon Musk nahezu vollständige Kontrolle gibt. Metas Vorstand hat am 21. Oktober neue stimmrechtslose Aktien geschaffen, damit Mark Zuckerbergs Kontrolle erhalten bleibt: Sollte Kalifornien am 3. November eine einmalige Milliardärssteuer beschließen, hätte er nach eigener Auskunft stimmberechtigte Aktien verkaufen müssen, was seine Stimmmacht von 60,6 auf rund 53 Prozent gedrückt hätte. Er hat dem Vorstand mit Wegzug aus Kalifornien gedroht, und der Vorstand hat nachgegeben.

Die Gegenprobe liefert Snap. Evan Spiegel hält 53,1 Prozent der Stimmen und verfolgt seit Jahren ein Datenbrillen-Projekt, das kommerziell nicht trägt. Die Aktie liegt fast 70 Prozent unter dem Ausgabepreis von 2017, ein aktivistischer Investor forderte im Frühjahr die Abspaltung – ohne jede Wirkung.

Der Dow-Jones-Index hat es einmal versucht

Nach Snaps Börsengang hat S&P Dow Jones Indices Unternehmen mit mehreren Aktienklassen von neuen Aufnahmen ausgeschlossen. SEC-Commissioner Robert Jackson Jr. forderte 2018 Verfallsdaten für solche Strukturen: Anleger um „ewiges Vertrauen in Firmenadel“ zu bitten, widerspreche amerikanischen Werten. 2023 hat S&P die Sperre zurückgenommen. Danach wurde SpaceX’ IPO der größte aller Zeiten.

Bei Anthropic zahlt die Struktur für etwas anderes

Bei Meta und SpaceX kauft man mit der Stimmrechtslücke die Wetten eines Gründers mit. Bei Anthropic kauft man etwas Ungewöhnlicheres: eine Governance, die ausdrücklich dafür gebaut ist, gegen die Interessen der Aktionäre entscheiden zu können, wenn es um Sicherheit geht. Wer die Aktie zeichnet, stimmt dieser Möglichkeit zu. Ob das ein Risiko oder das eigentliche Produkt ist, entscheidet sich erst beim ersten Konflikt.

Quellen

AnthropicIPOGovernanceDario Amodei