CoreWeave, Nebius und Nscale sind in den letzten Wochen praktisch vom Anleihemarkt abgeschnitten. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Beteiligte. Diese drei Firmen – im Jargon „Neoclouds“ – kaufen Rechenzentren und KI-Server auf Kredit und verkaufen die Rechenleistung weiter. Sie sind damit die Stelle im System, an der steigende Zinsen zuerst wehtun.
Was Anthropic davon betrifft
Zwei Zahlen aus demselben Bericht. Anthropic strebt für Mitte November eine Platzierung von bis zu 100 Milliarden Dollar an. Und der 63-Milliarden-Dollar-Deal mit Broadcom, über den wir vorige Woche geschrieben haben, kam nur zustande, weil Broadcom-Chef Hock Tan in der letzten Minute persönlich in die Verhandlungen eingestiegen ist, um die Nerven der Banken zu beruhigen.
In der S-1 hat Anthropic selbst einen Risikofaktor eingetragen, der in dieselbe Richtung zeigt: die Finanzierungsengpässe der Stromversorger, von denen die eigenen Rechenzentren abhängen.
Die Zahlen des Kreditmarkts
Laut Bank of America lag die KI-bezogene Verschuldung am US-Markt 2025 bei 394 Milliarden Dollar, bis Mitte Oktober dieses Jahres bei 655 Milliarden. Für 2027 erwarten Analysten fast eine Billion. Gleichzeitig handeln selbst Anleihen von SpaceX und Meta mit deutlichen Abschlägen.
Dan Ivascyn, Anlagechef bei Pimco, beschreibt die neue Lage so: „The bar is going higher and higher in terms of proving to lenders that this investment will turn into sufficient revenue. The weak links are going to suffer first.“ Die schwachen Glieder sind in diesem Fall gut identifizierbar: Nscale musste seinen für November geplanten Börsengang abblasen, Lambda hat die angestrebte Bewertung einer neuen Runde gesenkt, und Nebius’ erste High-Yield-Anleihe kam nach Treffen mit Fondsmanagern nicht zustande.
Woher die Neoclouds kommen
Viele Neoclouds kommen aus dem Krypto-Mining und haben kaum Betriebsgeschichte mit KI-Infrastruktur. Nebius war einmal die Amsterdamer Holding hinter Yandex, hat sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine von den Hauptgeschäften getrennt und bietet seit gut zwei Jahren KI-Cloud an – mit Verträgen unter anderem mit Meta und Microsoft. Seit 2024 hat die Firma Aktien für etwa 2,7 Milliarden Dollar an Nvidia und andere verkauft, dazu Wandelanleihen über weitere Milliarden.
Meta hat seine Pläne für Aktienemissionen über bis zu 97,5 Milliarden Dollar in der eigenen Einreichung offen begründet: mit den anstehenden Platzierungen von Alphabet, SpaceX, Anthropic und OpenAI, die am Kapitalmarkt um dieselbe Tiefe konkurrieren.
Das Rennen ist jetzt ein Zeitrennen
„Everybody is trying to raise money for their build-outs before the liquidity dries up“, sagt Ben Connard von Carnegie Investment Counsel dem WSJ. Wer sich also fragt, warum Anthropic ausgerechnet jetzt an die Börse geht, obwohl der Nasdaq am Freitag 2,9 Prozent verloren hat und Intel 29 Prozent: Die Alternative ist nicht ein besseres Fenster im Frühjahr. Die Alternative ist, hinter vier anderen Häusern anzustehen.