Die Financial Times berichtet, dass Blackstone den Investoren des großen Chip-Finanzierungsgeschäfts eine neue Erwartung mitgeteilt hat: Anthropic werde nach dem Börsengang ein hohes Junk-Rating bekommen, keine Einstufung im Investment-Grade-Bereich. Gemeint ist die Doppel-B-Spanne, die oberste Stufe des spekulativen Bereichs.
Blackstone ist in dem 63-Milliarden-Dollar-Vehikel zur Finanzierung von Anthropics Broadcom-Chips der Ankerinvestor. Dieselbe Bank hatte den Beteiligten laut FT vorher gesagt, Anthropic werde noch vor 2027 ein Investment-Grade-Rating erhalten. Anthropic und Blackstone haben eine Stellungnahme gegenüber TechCrunch abgelehnt.
Warum zwei Buchstaben Geld kosten
Ein Rating ist kein Urteil über das Produkt, sondern ein Preis für Fremdkapital. Investment Grade heißt: Pensionsfonds und Versicherungen dürfen kaufen, und zwar zu niedrigen Zinsen. Doppel B heißt: ein deutlich kleinerer Kreis von Käufern, höhere Aufschläge, strengere Klauseln. Für ein Haus, das Rechenleistung in Zehn-Milliarden-Schritten einkauft, ist das kein Nebenposten, sondern die Differenz zwischen zwei Investitionsplänen.
Genau darin liegt der Punkt, über den die Investoren nervös sind. Anthropic hat im vergangenen Jahr eine Reihe sehr großer Compute-Verträge geschlossen, die alle auf Fremdkapital angewiesen sind. Teureres Fremdkapital macht die nächste Runde dieser Verträge schwerer.
Eine Prognose, nicht eine Einstufung
Was hier vorliegt, ist Blackstones Erwartung, nicht das Rating einer Agentur. Moody’s, S&P und Fitch haben nichts veröffentlicht, und das Unternehmen ist noch nicht an der Börse. Die Meldung ist deshalb interessant wegen des Richtungswechsels, nicht wegen der Zahl: Der Ankerinvestor hat seine Einschätzung innerhalb weniger Monate umgedreht, und zwar gegenüber Leuten, die auf der Grundlage der alten Einschätzung investiert haben.
Die Risikoliste der S-1 bekommt ihre erste Bestätigung von außen
Anthropic hat seine Risikofaktoren vor vier Tagen selbst in die S-1 geschrieben, und Elizabeth Warren hat in ihrem Brief an Dario Amodei auf genau diese Stellen gezeigt. Blackstones revidierte Erwartung ist die erste Stimme, die nicht publizistisch oder politisch argumentiert, sondern als Geldgeber – und sie kommt von dem Geldgeber, der am meisten drinsteckt. Für die Bewertung der Aktie sagt das nichts. Für die Frage, wie teuer das nächste Rechenzentrum wird, sagt es viel.