OpenAI wollte 30 Milliarden Dollar einsammeln. Zugesagt sind bisher rund 11. Das Wall Street Journal beruft sich auf Personen, die mit der Runde vertraut sind: Die Bewertung liegt bei 1,25 Billionen Dollar statt der angestrebten 1,4.
Wer jetzt noch angesprochen wird
Mehrere große Investoren haben verhalten reagiert. OpenAI hat seinen Aktionären mitgeteilt, in den kommenden Wochen weiteres Geld einzusammeln – und dafür Family Offices und vermögende Privatleute anzusprechen. Das neue Ziel liegt laut einer der Quellen bei bis zu 20 Milliarden Dollar. Dass OpenAI sein Ziel gesenkt hat, hatte zuerst die Financial Times berichtet.
Family Offices sind nicht der Kreis, bei dem eine Runde dieser Größe anfängt. Sie sind der Kreis, bei dem sie landet, wenn Pensionsfonds und große Vermögensverwalter nicht genug zeichnen.
Die Woche, in der die Stimmung drehte
Der Zeitpunkt ist der eigentliche Befund. OpenAI will schon früh im nächsten Jahr an die Börse, und in genau dieser Woche haben die Quartalszahlen von Alphabet, Amazon und Intel den härtesten Ausverkauf bei KI-Aktien seit Beginn des Booms ausgelöst. Alphabet verlor am Donnerstag rund 500 Milliarden Dollar Börsenwert, Intel am Freitag 29 Prozent. Wer in dieser Lage eine Runde zeichnet, verhandelt anders als vor vier Wochen.
Der Vergleich, der mitverhandelt wird
Im selben Bericht steht die Zahl, um die es eigentlich geht. Anthropic hat seinen Umsatz vom ersten auf das zweite Quartal auf 11,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. OpenAI kam im gleichen Zeitraum auf 6,7 Milliarden, ein Plus von etwa 18 Prozent. Anthropic schrieb im zweiten Quartal einen kleinen operativen Gewinn, OpenAIs operative Verluste wurden tiefer. Das WSJ nennt Claude Code als den Grund, warum Anthropic vorn liegt.
Seit Montag liegt Anthropics S-1 öffentlich aus. Für OpenAI ist das jetzt das Dokument, gegen das jeder Investor rechnet, und es enthält Wachstumszahlen, die OpenAI gerade nicht liefern kann.
Ein Drittel ist keine Verzögerung
Eine Runde bei einem Drittel des Ziels lässt sich auffüllen, und OpenAI wird das versuchen. Interessanter ist, was die Lücke über den Preis von Geld sagt: Für dieselbe Geschichte zahlt der Markt heute 1,25 statt 1,4 Billionen. Beide Häuser gehen in den nächsten Monaten an die Börse, beide brauchen Fremdkapital in Zehn-Milliarden-Schritten. Wer zuerst kommt, nimmt das billigere Geld mit.