Am 1. Oktober hat Google einen Prototyp-Satelliten für Project Suncatcher starten lassen, zusammen mit über 100 anderen Raumfahrzeugen auf einer Falcon 9. Diese Woche kam die erste KI-Antwort von einem Rechenzentrums-TPU im Orbit zurück: Über eine Bodenstation wurde ein Prompt hochgeladen, das onboard geladene Gemma-4-Modell sollte ein Haiku über das Dasein im Weltraum schreiben. Beim Überflug über Svalbard kam die Antwort herunter.
Blue marble below Data streams in silent grace Starlight feeds my core.
Travis Beals, Senior Director für „Paradigms of Intelligence“, nennt das den „Hello World“-Meilenstein des Projekts.
Was an Bord steckt
Vier Tensor Processing Units, bis zu einem Kilowatt elektrische Leistung. Der Verbrauch der TPU ist der Engpass: Laut TechCrunch lässt sich nur eine davon jeweils etwa 20 Minuten lang einschalten – was die ohnehin heikle Kommunikation zwischen Orbit und Boden zusätzlich verkompliziert. Die Einschaltung, das Hochfahren von Host- und TPU-Trays und erste ML-Tests haben rund drei Wochen gedauert.
Nach dem Haiku kamen Limericks und, praktisch wichtiger, Prompts, mit denen der Satellit über den Zustand seiner eigenen Nutzlast berichtet. Ein Google-Sprecher sagte TechCrunch, der Satellit arbeite nominal.
Woran der Versuch tatsächlich hängt
Die nächsten Tests prüfen, wie sich die Chips unter thermischer Belastung und Strahlung verhalten. Google hat seine TPUs auf der Erde in Teilchenbeschleunigern getestet, aber Beschleuniger ersetzen den Orbit nicht. Das Risiko sind Bit-Flips: Ein gespeicherter Wert kippt, die Daten sind korrupt, und keine übliche Überwachung merkt es. Tests am Boden ließen für Inferenz geringe Auswirkungen erwarten.
Wenn das hält, kommt 2027 der nächste Schritt: zwei miteinander verbundene Satelliten.
Ein Haiku ist kein Rechenzentrum, aber ein Datum
Vom Start bis zur ersten Antwort sind vier Wochen vergangen. Für ein Projekt, das Google selbst „cosmic moonshot“ nennt, ist das zügig – und es verschiebt die Frage. Sie lautet nicht mehr, ob ein Rechenzentrums-Chip im Orbit Inferenz rechnen kann. Sie lautet, ob er es lange genug kann, bevor die Strahlung ihn zermürbt. Der Satellit hat bisher 20 Minuten am Stück geliefert. Ein Rechenzentrum braucht Jahre.