Donald Trump und Dario Amodei haben am Sonntagabend zusammen im Weißen Haus gegessen. Es war das erste Treffen der beiden unter vier Augen. Trump hat den Termin selbst bestätigt, in einem Interview mit Fox News, das er am Rand des Presidents-Cup-Golfturniers in Illinois gab.
Am Inhalt seiner Position hat das Essen nichts geändert, jedenfalls nicht vorher. Trump wiederholte, dass neue Auflagen China die Tür öffnen würden. „Wir sind China vielleicht anderthalb Jahre voraus”, sagte er. „Wir führen, und wir bauen gerade für Billionen. Warum sollten wir das aufgeben?” Amodeis Sorge, dass zu viel Tempo die Risiken vergrößert, nannte er nachvollziehbar. Wichtiger sei der Vorsprung.
Warum das Essen überhaupt zustande kam
Am Donnerstag gab Trump ein Staatsbankett für Xi Jinping. Sam Altman war da, Elon Musk, Jensen Huang, Mark Zuckerberg. Amodei nicht. Er hatte einen Terminkonflikt, und Trump lud ihn daraufhin privat ein, berichtet CNBC unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Das Verhältnis ist seit einem Jahr angespannt. Amodei hat Kamala Harris unterstützt und Trump offen kritisiert. Anfang des Monats forderte er die Branche in einem Drei-Stufen-Vorschlag zum Bremsen auf, und Trump reagierte auf Truth Social: Die einzigen Leitplanken, die KI brauche, seien ein starker und kluger Präsident, und seine Regierung habe Leute wie Dario davon abgehalten, Schlechtes zu tun. Dazu kommt der Streit mit dem Pentagon, in dem ein Berufungsgericht vergangene Woche die Einstufung als Lieferkettenrisiko bestätigt hat.
Tauwetter gibt es trotzdem. Handelsminister Howard Lutnick, der im Juni die Exportkontrollen über zwei Anthropic-Modelle verhängte, sagte diesen Monat gegenüber Axios, die Firma sei „wieder auf der richtigen Seite”. Er setzte sich mit Mitgründer Tom Brown auf ein Podium. Brown, Chief Compute Officer, hat die Verhandlungen mit dem Handelsministerium übernommen, an Amodeis Stelle. Michael Kratsios aus dem Weißen Haus sprach von einem „guten Takt” mit Anthropic.
Jemand verteilt vorab ein Papier gegen Amodei
Kurz vor dem Termin haben Gegner Amodeis ein sehr negatives Dossier über ihn im Weißen Haus in Umlauf gebracht. Axios hat das Papier eingesehen. Wer dahintersteht, steht nicht in dem Bericht. Es passt zu dem Memo, das Amodei vor drei Tagen zum Gesicht der KI-Endzeitangst machte – gegen den Anthropic-Chef wird in Washington gerade systematisch gearbeitet.
Das Weiße Haus selbst blieb allgemein. Trump habe klargemacht, dass Amerika die Welt bei Superintelligenz anführen werde und dabei amerikanische Verbraucher schütze, teilte ein Sprecher CNBC mit.
Der Börsengang sitzt mit am Tisch
Anthropic steuert auf einen Börsengang zu, der als einer der größten überhaupt gilt. Ein Unternehmen in dieser Lage will keinen Präsidenten gegen sich haben, der die Sicherheitsdebatte öffentlich als Schwindel bezeichnet und dessen Verteidigungsministerium die eigenen Modelle für Auftragnehmer sperrt. Dass Trump die Einladung selbst ausgesprochen hat, ist für Anthropic deshalb mehr wert als alles, was bei dem Essen inhaltlich herauskommen konnte.
Ob es etwas gebracht hat, lässt sich frühestens an der nächsten Äußerung aus dem Weißen Haus ablesen. In der Tonlage vom Sonntagnachmittag steckt kein Kurswechsel. Sie zeigt nur, dass Trump bereit ist, seine Position Amodei ins Gesicht zu sagen, statt über ihn zu posten. Das ist immerhin ein Unterschied.
Quellen
- Axios: Scoop: Anthropic’s Dario Amodei to have White House dinner with Trump
- Axios: Amodei critics target Trump with hit piece before White House dinner
- Reuters: Trump confirms meeting with Anthropic’s Amodei, repeats dismissal of AI fears
- CNBC: Anthropic CEO Amodei set to meet with Trump after missing state dinner
- TechCrunch: Anthropic’s CEO is about to have dinner with President Trump