Anthropic hat am Freitag vor dem Bundesberufungsgericht in Washington verloren. Der Senat entschied mit zwei zu einer Stimme, dass das Verteidigungsministerium die Firma als Lieferkettenrisiko einstufen durfte. Damit bleibt das Verbot in Kraft: Das US-Militär darf Claude nicht einsetzen, und Verteidigungsunternehmen dürfen die Modelle nicht in Aufträgen für das Ministerium verwenden.
Anthropic hatte argumentiert, die Einstufung sei willkürlich, nicht von Gesetzen gedeckt und verfassungswidrig. Richter Gregory Katsas sah das anders. Das Ministerium habe „ausreichende Grundlage“ für seinen Schluss gehabt, dass Claude in seinen Informationssystemen ein gesetzlich erfasstes Risiko für die nationale Sicherheit darstelle. Neomi Rao schloss sich an; beide wurden von Donald Trump ernannt. Karen LeCraft Henderson, ernannt von George H. W. Bush, stimmte dagegen.
Wie es dazu kam
Im März erklärte das Verteidigungsministerium Anthropic zum Lieferkettenrisiko, nachdem die Verhandlungen über den Einsatz von Claude im Militär gescheitert waren. Das Ministerium wollte unbeschränkten Zugriff für alle rechtmäßigen Zwecke. Anthropic wollte die Zusage, dass die Modelle nicht für vollautonome Waffen und nicht für flächendeckende Überwachung im Inland benutzt werden. Verteidigungsminister Pete Hegseth warf der Firma daraufhin vor, sie versuche sich ein Vetorecht über militärische Entscheidungen zu verschaffen. Vorher war Anthropic ein früher Partner mehrerer US-Behörden und hatte im Juli 2025 einen Vertrag über 200 Millionen Dollar mit dem Pentagon geschlossen. Das Pentagon-Portal GenAI.mil ist dann Anfang September ohne Claude gestartet.
Katsas zitierte Hegseths Sorge, „überregulierte“ Modelle könnten unerwartet abschalten oder manipuliert werden. Anthropic hat das bestritten. Für das Gericht war das nicht entscheidend: „In unserer Republik sind es der Präsident und der Kriegsminister, die bestimmen müssen, wie die konkurrierenden Risiken am besten auszugleichen sind.“
Zwei Gerichte, zwei Einstufungen
Das Ministerium hat sich auf zwei getrennte Einstufungen gestützt, und die mussten in zwei Verfahren verhandelt werden. Ein Bundesgericht in San Francisco hat die eine im August für rechtswidrig erklärt. Die andere hat das Berufungsgericht jetzt bestätigt.
„Wir widersprechen der Entscheidung des Gerichts mit Respekt“, sagte ein Anthropic-Sprecher. „Ein anderes Bundesgericht hat die parallele Einstufung der Regierung bereits für rechtswidrig erklärt. Wir sind weiter von unserer Position überzeugt und prüfen alle Optionen, auch eine weitere Überprüfung.“ Der Senat lässt sein Urteil nicht sofort wirksam werden, damit Anthropic eine erneute Verhandlung beantragen kann, entweder vor demselben Senat oder vor allen Richtern des Gerichts. Auch der Weg zum Supreme Court steht offen.
Der Streit ist längst keine Vertragsfrage mehr
Was im September 2025 als Verhandlung über Einsatzregeln begann, ist inzwischen ein politischer Konflikt. Trump hat Dario Amodei in den vergangenen Monaten mehrfach öffentlich angegriffen, am Montag wieder auf Truth Social. Zum Staatsbankett für Xi Jinping am Donnerstag war Amodei nicht eingeladen. Vor diesem Hintergrund liest sich der Satz von Katsas über Präsident und Minister wie eine Bestätigung dessen, was Anthropic von Anfang an gefürchtet hat: Wer die Einsatzbedingungen seiner Modelle selbst festlegen will, verhandelt nicht mit einer Behörde, sondern mit einer Regierung.
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