Shyam Sankar, Technikchef von Palantir, war am Sonntag bei „Face the Nation“. Margaret Brennan fragte ihn, was es bedeutet, dass das Verteidigungsministerium Anthropics Produkte nicht mehr benutzt – Claude steckte im Maven Smart System, und Maven betreibt Palantir. Sankars Antwort kam in vier Worten: „It’s already been replaced.“ Und dann nochmal, zur Sicherheit: „No impact.“
Was das Pentagon Anfang Oktober bestätigt hat
Ein Ministeriumsmitarbeiter sagte der BBC am 5. Oktober, das Pentagon „has ceased the use of Anthropic products“. Pete Hegseth hatte Anthropic im Februar zum Lieferkettenrisiko erklärt und den Ausstieg für Ende August angekündigt. Warum er sich um Wochen verzögert hat, sagt niemand.
Interessanter ist, was in der Zwischenzeit lief. Mehrere Leute mit Einblick – frühere Verteidigungsbeamte und Auftragnehmer, die mit dem Pentagon an KI gearbeitet haben – sagten der BBC, Claude sei noch in der Woche vor der Erklärung im Einsatz gewesen: in Forschung, Analyse, Aufklärung und in den Militäroperationen gegen Iran. Als Werkzeug zum Sortieren großer Informationsmengen galt es als kritisch.
Die Einstufung als Lieferkettenrisiko hat Anthropic also acht Monate gekostet, nicht sechs. Anthropic wollte sich zur Erklärung nicht äußern.
Nemotron, Grok und GPT sind nachgerückt
Sankar zählt auf, was das Ministerium stattdessen hat: xAI, OpenAI, dazu offene Gewichte wie Nvidias Nemotron. „Es hatte keine operativen Auswirkungen“, sagt er, und die Nutzer, die KI-Anwendungen bauen, wählten ihre Modelle ohnehin selbst aus.
Dem widerspricht eine Stimme in der BBC-Recherche. Lauren Kahn vom Center for Security and Emerging Technology in Georgetown, selbst früher im Verteidigungsministerium, sagt, Claude sei so tief in Maven integriert gewesen, dass ein schneller Ausbau gar nicht möglich war: „Dass das Pentagon bis jetzt gebraucht hat, um Claude vollständig aus dem System zu entfernen, zeigt, dass diese Dinge nicht einfach Plug and Play sind.“ Ist etwas einmal integriert, werde das Entfernen schmerzhaft.
Beides kann stimmen. Schmerzhaft für die Techniker, unsichtbar für die Leute, die mit Maven arbeiten.
Austauschbarkeit ist Palantirs Geschäft
Sankar hängt an den Fall ein Argument, das sein eigenes Produkt verkauft: Keine Institution werde sich auf einen Modellanbieter festlegen. Souveränität bestehe darin, zu entscheiden, welches Modell in welchem Kontext läuft, Modelle wechseln zu können und bei Bedarf die Gewichte selbst zu kontrollieren. „Das ist dein Alpha.“
Der Satz ist verkäuferisch, aber er beschreibt genau, was hier passiert ist. Der Streit zwischen Anthropic und dem Pentagon ging um Schutzmechanismen, die Anthropic nicht entfernen wollte – Massenüberwachung und autonome Waffen. Verloren hat Anthropic den Streit nicht an einem besseren Modell, sondern an einer Schicht Software, die Modelle gegeneinander auswechselbar macht.
Wer Claude über eine solche Schicht einsetzt, sollte sich das ansehen. Austauschbarkeit schützt den Kunden vor dem Anbieter. Sie schützt den Anbieter vor nichts.