Ökosystem

Microsoft-Direktor nannte KI-Scraping den 'größten Arbeitsdiebstahl der Menschheitsgeschichte'

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Nadella sagte aus, er hätte ein Neutraining verlangt, wenn er von Paywall-Scraping gewusst hätte. Greg Brockmans Antwort auf einen Paywall-Trick lautete 'ah nice'.

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In der Klage der New York Times gegen OpenAI und Microsoft sind Schriftsätze entsiegelt worden, die bisher geschwärzt waren. Was darin steht, klingt weniger nach Verteidigung als nach interner Anklage.

Wer was gesagt hat

Brent Hecht, Director of Applied Science bei Microsoft, schrieb in einem internen Memo vom Januar 2023, das Scraping für KI-Training sei „ein erstaunlicher Diebstahl beispiellosen Ausmaßes” und „der größte Arbeitsdiebstahl der Menschheitsgeschichte”.

Satya Nadella sagte aus, Inhalte hinter einer Paywall „sollten von jedem lizenziert werden, der sie nutzen will”. Hätte er vom Scraping solcher Inhalte gewusst, hätte er OpenAI zum Neutraining der Modelle verpflichtet.

Auf der anderen Seite des Tisches: Nick Turley, bei OpenAI für ChatGPT zuständig, schrieb, Verlage stünden vor einer „existenziellen Bedrohung” durch Chatbots, die „weitgehend substitutiv” seien. OpenAI-Präsident Greg Brockman nannte die Modelle „exzellent bei Nachrichten” — und antwortete auf den Hinweis auf einen „Trick, um die Paywall der New York Times zu umgehen”, mit „ah nice”.

Weder OpenAI noch Microsoft haben sich dazu geäußert.

Der Doom Loop

Hechts Memo enthält die Formulierung, die den Mechanismus beschreibt: eine Abwärtsspirale, in der Copilot die Klickrate der New York Times um bis zu 93 Prozent drücke. Weniger Klicks heißt weniger Einnahmen heißt weniger Journalismus heißt weniger Material, aus dem sich ein Modell überhaupt speisen kann.

Das ist kein Argument von Verlagsseite. Das ist die interne Lagebeurteilung eines Microsoft-Direktors, drei Jahre alt.

Die Zahl, die weh tut, ist 93 Prozent

Man kann über Urheberrecht streiten, über Fair Use, über Lizenzmodelle. Anthropic hat den Weg über einen Vergleich gewählt, OpenAI und Microsoft prozessieren weiter. Was diese Schriftsätze ändern, ist nicht die Rechtslage, sondern der Ton: Es lässt sich nicht mehr behaupten, niemand habe das kommen sehen.

Gesehen haben es alle. Nachzulesen ist es jetzt mit Namen, Datum und Prozentzahl.

Und ja, diese Seite lebt von denselben Modellen, über die hier geschrieben wird. Das macht die 93 Prozent nicht kleiner.

Quellen:

OpenAIMicrosoftRechtKI und Gesellschaft