Der Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar, mit dem Anthropic die Sammelklage wegen raubkopierter Bücher beigelegt hat, ist im Juli endgültig geworden. Jetzt fließt das Geld: 3.000 Dollar pro Werk an knapp 500.000 Autorinnen und Autoren. Und genau da wird es unübersichtlich.
Die Aufteilung
Bei lieferbaren Büchern wird halbiert, 50 Prozent Autor, 50 Prozent Verlag. Bei vergriffenen oder selbst verlegten Titeln bekommt der Autor alles. Klingt eindeutig, ist es in der Praxis nicht – denn wer entscheidet, was lieferbar ist und wem welche Rechte gehören, hängt an Vertragsunterlagen aus mehreren Jahrzehnten.
TechCrunch hat Fälle gesammelt, in denen Autoren plötzlich Post von Verlagen und Agenturen bekamen, die Anteile beanspruchen. Die Krimiautorin April Henry berichtet, HarperCollins habe eines ihrer Bücher reklamiert, dessen Rechte vor 17 Jahren an sie zurückgefallen sind. Im selben Zug hat der Verlag sich als ihr Arbeitgeber eingetragen.
Schlamperei oder Methode?
Victoria Strauss von Writer Beware hält das Meiste für schlechte Buchführung, nicht für Absicht. Aber sie sagt auch, die ungewöhnlich hohe Zahl an Meldungen deute auf etwas deutlich Verbreiteteres und Systematischeres hin. Mary Rasenberger, Chefin der Authors Guild, sieht es gegenüber der New York Times ähnlich: kein gezielter Griff der Verlage, sondern Durcheinander im System.
Wer betroffen ist, kann der Zuordnung widersprechen. Ein Datum entscheidet dabei viel: Die Rechte müssen vor dem 10. August 2022 zurückgefallen sein, damit ein Autor die vollen 3.000 Dollar behält.
Was ich davon halte
Der Vergleich war die Schlagzeile, die Abwicklung ist die eigentliche Geschichte. 1,5 Milliarden Dollar treffen auf eine Branche, deren Rechteverwaltung in Aktenordnern, alten Verträgen und E-Mail-Threads liegt. Dass dabei Ansprüche auftauchen, die keiner mehr belegen kann, ist erwartbar – überraschend ist nur, wie schnell es passiert ist.
Für alle, die zuschauen, steckt darin eine praktische Lehre. Der nächste große KI-Vergleich kommt bestimmt, und die Verteilung wird wieder auf Papierketten treffen, die dafür nie gebaut wurden. Wer Rechte an eigenen Texten hält, sollte seine Reversion-Schreiben griffbereit haben, bevor er sie braucht.
Quellen: TechCrunch: Authors push back as publishers and agents make claims on Anthropic settlement