Anthropic hat am Montag eine geänderte Fassung seines Börsenprospekts bei der SEC eingereicht. Das Formular S-1/A trägt erstmals die Zahlen des dritten Quartals. Die Halbjahreszahlen standen schon im ersten Prospekt, über den ich vergangene Woche geschrieben habe.
Was im Quartal steht
17 Milliarden Dollar Umsatz im dritten Quartal, ein Plus von 1.127 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dem steht ein Nettoverlust von 23,29 Milliarden gegenüber. Für die ersten neun Monate nennt der Prospekt 33,24 Milliarden Umsatz und 104 Milliarden Nettoverlust, wobei der größte Teil davon aus der Neubewertung von Wandelanleihen und Derivaten kommt und nicht aus dem Betrieb.
Interessanter als die Höhe ist die Richtung. Von Q1 auf Q2 wuchs der Umsatz um 144 Prozent, von Q2 auf Q3 um 46. Die 16,8 Milliarden, die Investoren Mitte Oktober genannt wurden, waren also knapp zu niedrig geschätzt, der Trend dahinter aber richtig gelesen. Anthropic schreibt es selbst in den Prospekt: „Wir erwarten nicht, dass unser Umsatz weiter mit vergleichbaren Raten wächst, und wir können nicht zusichern, dass er überhaupt weiter wächst.“
Die Zusagen sind größer als die Summe im Prospekt
895,4 Milliarden Dollar an Kaufverpflichtungen und Mietverträgen, „substanziell alles“ davon für Rechenleistung und Infrastruktur. Vor einer Woche war in den Berichten noch von rund 800 Milliarden über ein Jahrzehnt die Rede.
Die Aufteilung erklärt, warum die Zahl so schnell steigt: rund 320 Milliarden bestehende vertragliche Pflichten, 451 Milliarden für Mietverträge, die erst zwischen 2026 und 2028 anlaufen. The Register rechnet die geschätzten Zusatzzahlungen von 150 bis 175 Milliarden dazu und landet jenseits einer Billion. Die Verträge mit Microsoft, Google, Amazon und Broadcom summieren sich auf 437 Milliarden und sind nicht kündbar, teils zahlbar unabhängig davon, ob eine GPU läuft. Absagen kann Anthropic nach eigener Rechnung nur rund 213 Milliarden der 895.
Bis September 2027 werden etwa 70 Milliarden fällig, bis Ende 2030 rund 447,5.
44 Prozent kommen über die Marktplätze der Hyperscaler
Eine Zahl, die bisher untergegangen ist: In den ersten neun Monaten liefen rund 44 Prozent des Umsatzes über Cloud-Marktplätze. Kein einzelner Kunde steht für mehr als zehn Prozent. Die Häuser, die Anthropic die Rechenleistung verkaufen, sind damit auch der größte Vertriebskanal, und sie bauen gleichzeitig eigene Modelle oder verkaufen die der Konkurrenz. Der Prospekt führt das selbst als Risiko auf, auf über 90 Seiten davon.
Die Kurve zählt mehr als die Summe
Ein Umsatz, der sich binnen eines Jahres verzwölffacht, trägt fast jede Zahl auf der Kostenseite. Ein Umsatz, der um 46 Prozent im Quartal wächst, während die Rechenkosten im selben Quartal um 77 Prozent zulegen, trägt sie nicht. Genau diese Schere ist der Grund, warum der Prospekt seine eigenen Wachstumsraten so sorgfältig relativiert. Anthropic muss nicht beweisen, dass es groß ist. Es muss beweisen, dass es schneller wächst als seine Verpflichtungen.