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Anthropics IPO-Prospekt: 518 Milliarden Dollar für Rechenleistung, 80 Prozent nicht kündbar

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Von jedem Dollar, der über die Marktplätze von Amazon und Google läuft, behalten die beiden rund 16 Cent. 2025 waren das etwa 351 Millionen.

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Reuters hat den vertraulichen IPO-Prospekt weiter gelesen. Dass darin 42 Milliarden Nettoverlust und 80 Seiten Risikofaktoren stehen, war am Montag Thema. Am Dienstag kamen die Verträge dahinter dazu, und die sind die eigentliche Nachricht: 518 Milliarden Dollar über zehn Jahre, verteilt auf sechs Partner. Rund 80 Prozent davon sind nicht kündbar oder werden fällig, egal wie viel Anthropic tatsächlich abruft.

Wer wie viel bekommt

Mindestens 111,1 Milliarden gehen an Google, 110 Milliarden an Amazon, 31,4 Milliarden an Microsoft, jeweils als langfristige Infrastrukturverpflichtung über sieben bis zehn Jahre und ausdrücklich «regardless of usage». Der Google-Vertrag läuft von April 2026 bis Juli 2033, der von Amazon von Mai 2026 bis April 2036. Im Prospekt steht der Satz dazu so: «If our actual spend falls short, we must pay Google the difference.» Für Amazon gelten ähnliche Bedingungen. Der Microsoft-Teil ist nur bei unbehobenem Vertragsbruch von Microsoft kündbar.

Dazu kommen rund 161,2 Milliarden an Leasingverpflichtungen für Broadcom-Hardware, ebenfalls größtenteils unkündbar, außer im Fall eines Zahlungsausfalls. Ende 2025 lagen die unkündbaren Hosting- und Rechenverpflichtungen bei 54,6 Milliarden; Anfang 2026 überschritten die gesamten langfristigen Zusagen 417 Milliarden und deckten 3,5 Gigawatt fest zugeteilter Rechenkapazität.

Die Begründung, die Anthropic Anlegern gibt: Nicht die Nachfrage wird das Wachstum begrenzen, sondern die verfügbare Rechenleistung. Deshalb bindet man sich.

47 Prozent des Umsatzes laufen über die Marktplätze der Konkurrenz

Die zweite Reuters-Auswertung dreht die Richtung. 47 Prozent des Umsatzes 2025, etwa 2,16 Milliarden Dollar, kamen über die Cloud-Marktplätze von Amazon und Google zu Anthropic. Die beiden stellen Rechenleistung, kassieren die Kundenrechnungen, halten Anteile am Unternehmen und bauen gleichzeitig eigene Modelle. Rund 351 Millionen flossen als Vertriebsgebühren zurück, nach Reuters-Rechnung also etwa 16 Cent je Dollar Marktplatzumsatz. Verbucht wird das unter «sales, marketing, and partnerships».

Vom Gesamtumsatz von knapp 4,6 Milliarden waren rund 3,8 Milliarden nutzungsabhängig und 789 Millionen Abogeld. Anthropic erwartet, dass der nutzungsabhängige Teil auf absehbare Zeit die große Mehrheit bleibt. Fast zwei Drittel des Umsatzes kamen aus den USA. Zwei Kunden stehen einzeln für je 12 Prozent.

Im Prospekt selbst ist die Konstellation erst ein Vorteil: Über die Vertriebsnetze von Amazon, Google und Microsoft erreiche man eine Marktdurchdringung, «die für eine einzelne Organisation schwer zu replizieren wäre». Zwei Seiten weiter steht, dass diese drei gleichzeitig Investoren, Kunden, Lieferanten, Vertriebspartner und Wettbewerber sind und dabei Interessen haben, die «may not be fully aligned» mit den eigenen.

xAI und AMD kommen dazu

Neu im Prospekt sind zwei Namen. Mit Elon Musks xAI gibt es Vereinbarungen über bis zu 84,5 Milliarden Dollar für Nvidia-basierte Kapazität bis 2029. Dieser Teil ist mit 90 Tagen Frist größtenteils kündbar und damit der beweglichste Posten im ganzen Paket. AMD verpflichtet sich, Anthropic-Aktien im Wert von bis zu 5 Milliarden zu kaufen und Rechenkapazität von voraussichtlich über 20 Milliarden zu liefern.

Parallel baut Anthropic mehr selbst: weg vom reinen Cloud-Modell, hin zu eigenen Rechenzentren und direkt geleasten Chips.

Wer hier wen in der Hand hat

518 Milliarden liegen in der Größenordnung von OpenAIs Stargate, nur dass sich dort die Kosten auf OpenAI, SoftBank, Oracle und MGX verteilen. Hier steht ein Unternehmen allein dafür, das 2025 knapp 4,6 Milliarden umgesetzt hat.

Der Satz, der davon hängen bleibt, ist nicht die Summe, sondern die Kündbarkeit. Wo Anthropic zahlen muss, ohne abzurufen, ist eine Fehleinschätzung der Nachfrage direkt Geldverbrennung. Und die Partner, die diese Zusagen halten, verkaufen dieselbe Rechenleistung an Anthropics Konkurrenten und an sich selbst. Bei 90 Tagen Frist wie bei xAI hat man eine Verhandlungsposition. Bei sieben Jahren unkündbar hat man einen Zeitplan.

Quellen

AnthropicIPOBusinessRechenleistung