Ökosystem

42 Prozent mehr Lohn: Wer in Amerikas Rechenzentren arbeitet

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In der Halle stehen Feldbetten und Duschen, für den Fall, dass ein Sturm die Techniker über Nacht festhält. Manche fahren Roller, weil die Flure zu lang sind.

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Wir schreiben hier ständig über Gigawatt, Milliarden und Baugenehmigungen. Das Wall Street Journal hat sich am Wochenende angesehen, was drinnen eigentlich passiert — in Ashburn, Virginia, eine Autostunde von Washington entfernt, in der Gegend, die sie Data Center Alley nennen.

30.000 Schritte

James Waddy ist 33 und wollte mal Profisportler werden. Jetzt läuft er täglich 30.000 Schritte durch eine Halle von rund 93.000 Quadratmetern, die Digital Realty gehört. Er riecht an der Technik, ob irgendwo etwas schmort. Er tastet Leitungen auf Risse ab. Er sucht nach defekten Lampen und kaputten Transformatoren. Als leitender Ingenieur beaufsichtigt er Dutzende Kollegen, die dasselbe tun, und nennt sich selbst «The General».

«I don’t hear any noises», sagt er beim Gang über einen Doppelboden, unter dem die Kühlluft zirkuliert. «I don’t smell anything. Everything’s running right.»

Die Flure sind so lang, dass manche Techniker mit Rollern fahren. Es gibt turmhohe Käfige voller Kabel. Und es gibt Feldbetten und Duschen — für den Fall, dass die Mannschaft bei Unwetter über Nacht bleibt, damit die Server weiterlaufen. Im Gebäude arbeiten bis zu 120 Menschen gleichzeitig, fest angestellt sind etwa 50; der Rest ist Sicherheitsdienst oder kommt von Kunden. Trotzdem stehen viele Räume leer, weil die Halle so groß ist.

Was der Bauboom am Arbeitsmarkt anrichtet

In den USA laufen laut dem Datenanbieter Data Center Map rund 2.700 Rechenzentren. Knapp 400 werden gerade gebaut, mindestens 1.500 sind geplant. Über eine Million Menschen haben dieses Jahr auf Indeed nach Jobs in Rechenzentren gesucht; im August lag die Zahl der Suchanfragen achtmal so hoch wie Anfang 2022.

Und es zahlt sich aus. Indeed hat ausgerechnet, dass Stundenlöhner in Wartung und Installation in Rechenzentren rund 42 Prozent mehr verdienen als in vergleichbaren Jobs anderswo. Ein Projektmanager kommt auf etwa 115.000 Dollar im Jahr. Digital Realty selbst nennt rund 66.000 Dollar für Einsteiger unter den Ingenieuren und über 120.000 für erfahrene Leute.

Gesucht werden vor allem Fachkräfte für Elektrotechnik, Netzwerke und Kühlung, sagt Brandi Galvin Morandi, Personalchefin beim Betreiber Equinix. Meta steckt Geld in Ausbildungsprogramme, und das Northern Virginia Community College hat mit Hilfe der Industrie einen eigenen Studiengang aufgemacht. Cindy Fiedelman, Personalchefin bei Digital Realty, beschreibt das Problem so: Es brauche eine bestimmte Mischung aus technischer Ausbildung, Sicherheitsdisziplin und Praxis — und die sei knapp, gemessen daran, wie schnell die Branche wachse.

Der Widerstand steht vor der Tür

Digital Realty betreibt über 300 Rechenzentren auf sechs Kontinenten und vermietet in Ashburn an Oracle, Meta und IBM. In Atlanta will die Firma für 500 Millionen Dollar bauen und braucht dafür eine Ausnahme vom lokalen Verbot, Rechenzentren in die Nähe von Verkehrsknoten zu setzen. Anwohner sind dagegen, das Projekt hängt fest.

Die Zahl, die in keiner Bilanz auftaucht

Rechenzentren brauchen wenig Personal — ein paar Dutzend bis ein paar Hundert Festangestellte pro Standort. Bei knapp 400 Neubauten und 1.500 geplanten wird daraus trotzdem eine Größenordnung, die politisch zählt: gut bezahlte Industriejobs ohne Studium, in Regionen, die davon nicht viele haben.

Das ist die eine Hälfte der Rechnung. Die andere schreiben die Stromrechnungen der Nachbarn, über die das Repräsentantenhaus vorige Woche mit 417 zu 3 abgestimmt hat. Wer in Ashburn arbeitet, verdient am Boom. Wer nebenan wohnt, zahlt ihn mit. Kommunalpolitik entscheidet sich an genau dieser Differenz — und in Atlanta sieht man schon, wie das ausgeht.

Quellen

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