Axios hat am Sonntag einen Plan veröffentlicht, den OpenAI bisher nicht öffentlich gemacht hatte: Direkt nach den US-Zwischenwahlen am Dienstag startet das Unternehmen eine Politik- und PR-Offensive. Zusammengetragen hat sie Chris Lehane, OpenAIs Chief Global Affairs Officer, seit August – teils neue Vorschläge, teils alte in neuer Verpackung.
Der Anlass ist nüchtern: Nach zwei Jahren mit einem freundlichen Weißen Haus rechnen die KI-Firmen mit einem härteren Washington, weil die Demokraten das Repräsentantenhaus wahrscheinlich gewinnen. Los geht es in der Lame-Duck-Sitzung, die am 9. November beginnt.
Vier Bausteine, und einer davon ist eine Umbenennung
Speed Limits. OpenAI will verpflichtende Schutzvorkehrungen für die stärksten KI-Systeme vorschlagen und dafür stärker im Kongress werben. Lehane zu Axios: „Sie werden uns immer mehr über das Konzept von Speed Limits reden hören.“ Der Gedanke dahinter: Menschen sollen die Hand am Lenkrad behalten.
Rechenzentren. Gegen den Widerstand in den Bundesstaaten setzt OpenAI auf Gemeinde-Vereinbarungen und will Landesgesetze anregen, die Anwohnern ein echtes Mitreden geben. Dazu kommt eine bewusst provokante Umbenennung: Was OpenAI baut, soll nicht Rechenzentrum heißen, sondern „AI Compute Campus“ – Infrastruktur, die ihre Standortregion wirtschaftlich umbaut. Als Beispiel nennt das Unternehmen ein großes Projekt in Pike County im Süden Ohios.
Wirtschaftliche Chancen und internationale Zusammenarbeit sind die beiden anderen Bausteine: Unterstützung für Beschäftigte im Umbruch, breiterer Zugang zu Bildung, und globale Standards, die auf demokratischen Werten aufbauen.
Die Offensive zielt auf 2028, nicht auf Dienstag
Lehane sagt es selbst: Die Midterms seien „ein bisschen der Kinotrailer für das, was Sie 2028 sehen werden.“ Ab Mittwoch formiert sich das Feld der Präsidentschaftsbewerber, und OpenAI will den KI-Teil ihrer Programme mitschreiben. „KI wird das Thema von 2028“, sagt Lehane, und: „Ich glaube nicht, dass es reichen wird, einfach nur ‘KI schlecht’ zu sagen.“
Dass OpenAI damit nicht allein ist, gehört dazu: Meta arbeitet nach einer anderen Axios-Recherche vom Samstag ebenfalls daran, seine Verbindungen zu den Demokraten zu festigen.
Wer das Bild setzt, setzt die Regeln
Vor einer Woche habe ich geschrieben, wie Washington Dario Amodei und Sam Altman die politische Last zurückgibt. Das hier ist die Antwort darauf, und sie ist aus Sicht von OpenAI konsequent: nicht abwarten, sondern die Begriffe liefern, in denen diskutiert wird.
Man muss das nicht zynisch lesen. Verpflichtende Schutzvorkehrungen für die stärksten Systeme sind eine echte Position, und Mitbestimmung bei Rechenzentren ist mehr, als die Branche bisher angeboten hat. Nur fällt beides mit einer Wortwahl zusammen, die den Rahmen vorgibt: Ein Speed Limit klingt nach Vernunft, nicht nach Aufsicht. Und ein Campus klingt nach Universität, nicht nach Stromverbrauch. Kritiker werden genau das anführen. Welche Lesart sich durchsetzt, entscheidet sich im Dezember im Kongress, nicht in der Pressemitteilung.