Das Wall Street Journal hat am Freitagabend eine Reportage über das Netzwerk veröffentlicht, aus dem ein großer Teil der KI-Sicherheitsszene kommt. Der Ort heißt Constellation und liegt im höchsten Bürogebäude von Berkeley. Veganes Catering, Sofas mit Blick auf die San Francisco Bay, einmal im Monat Abendessen und Feierabendrunden, bei denen die jeweils neuesten und unangenehmsten KI-Risiken durchgesprochen werden. Wer bei Anthropic arbeitet, hat dort laut Leuten aus dem Umfeld einen eigenen Bereich.
Der Satz, der aus dem Text herausragt, steht weiter hinten: Einige der frühesten Anthropic-Mitarbeiter haben in den vergangenen Wochen einem Branchenkollegen erzählt, dass sie über den Kauf von Land in abgelegenen Teilen der USA nachdenken. Dorthin würden sie ziehen, falls die KI schiefgeht.
Der Gedanke ist in dieser Szene nicht neu
Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich daran, dass schon bei Firmenessen in Anthropics Anfangszeit ein Manhattan-Project-Szenario diskutiert wurde: Man könnte gebeten werden, in die Wüste zu ziehen und die Arbeit an der KI in einer elektromagnetisch abgeschirmten Regierungsanlage fortzusetzen. Das war damals kein Notfallplan, sondern ein Gedankenspiel beim Abendessen. Jetzt geht es um Grundbücher.
Die Reportage zeichnet nach, wie eng die frühen Belegschaften von Anthropic und OpenAI mit dem effektiven Altruismus verflochten sind. Ein Teil kommt aus einem Bay-Area-Netzwerk, das seit Jahren Weltuntergangsszenarien durchrechnet. Eliezer Yudkowsky hat Mitte der 2000er vor unkontrollierter KI gewarnt und ist zum intellektuellen Paten dieser Subkultur geworden. Bevor KI an die Spitze der Liste rückte, drehte sich dort alles um Asteroideneinschläge und Supervulkane.
Warum diese Reportage gerade jetzt erscheint
Der Text steht nicht allein. Vor drei Tagen ging ein Memo im Weißen Haus herum, das Amodei zum Gesicht der KI-Endzeitangst macht, und am Freitag nannte ein Anthropic-Investor die Warnungen ein Politikinstrument. Die Herkunft der Anthropic-Führung aus dem effektiven Altruismus ist von einer Fußnote zum politischen Argument geworden, und zwar zu einem, das gegen die Firma verwendet wird.
Das Journal liefert dafür das Bildmaterial. Veganes Catering und Bay-Blick in einem Coworking, in dem über das Ende der Menschheit gesprochen wird, ist ein Bild, das sich leichter einprägt als jede Debatte über Rechenleistungsgrenzen.
Land zu kaufen ist eine ehrliche Aussage
Man kann die Grundstückssuche albern finden. Man kann sie auch als das Ehrlichste lesen, was diese Woche über die Branche zu erfahren war. Leute, die die Modelle von innen kennen, richten ihre privaten Entscheidungen danach aus, was sie öffentlich sagen. Das ist mehr Konsequenz, als man aus den meisten Debattenbeiträgen der vergangenen Wochen herauslesen kann.
Was es nicht beantwortet: ob die Einschätzung stimmt. Ein Grundstück in Montana ist kein Beleg für ein Risiko, es ist ein Beleg für eine Überzeugung. Wer Amodeis Bremsruf für taktisch hält, wird nach dieser Reportage sagen, die Szene glaube eben wirklich an ihre eigene Erzählung. Wer ihn für begründet hält, wird sagen: eben.