Am Sonntag lief bei NBC ein aufgezeichnetes Interview mit Bill Gates in „Meet the Press”. Gefragt nach den Warnungen aus den KI-Laboren, sagte er einen Satz, der sich direkt gegen den Präsidenten richtet: „Das ist überhaupt kein Schwindel.” Trump hat die Sicherheitsdebatte mehrfach genau so genannt.
Gates will nicht nur widersprechen, er will vorsprechen. Er würde sich gern mit Trump über KI unterhalten. „Ich hoffe, dass mein Lebenswerk auf diesem Gebiet meinem Hinweis Gewicht gibt, wie einzigartig und anders das hier ist und wie besorgt ich bin”, sagte er. Dazu komme, was er von der Politik erwartet: „Strafverfolgung und Politiker müssen in die Diskussion einsteigen, wie Schutzmaßnahmen und Überwachung aussehen. Und das muss verpflichtend sein.”
Eine Milliarde Tote als Größenordnung
Die härteste Zahl stand schon in den Auszügen, die am Freitag vorab herauskamen. Gates sagt, KI sei „mit Sicherheit mächtig genug, um Ereignisse auszulösen, die eine Milliarde Tote verursachen können”. Er meint damit nicht eine Maschine, die sich selbstständig macht, sondern Menschen mit bösen Absichten und den neuesten Werkzeugen.
Damit liegt er in derselben Größenordnung wie die Stimmen, die diesen Monat die Debatte gedreht haben: Jacob Coxon, der Anthropic verlassen hat und vor dem Ende des Jahrzehnts warnt, und Evan Hubinger, Anthropics Leiter Alignment Science, der die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses in den nächsten zehn Jahren auf über zehn Prozent beziffert.
Sein zweites Argument ist das wirtschaftliche
Interessanter als die Zahl ist der Einwand, den Gates gleich mit abräumt. Schutzmaßnahmen würden die Branche nicht nennenswert bremsen, sagt er, und die Risiken, sie nicht einzuführen, seien real. Genau an dieser Stelle verläuft die Trennlinie zu Trump, der am selben Tag in einem Fox-Interview vor dem Abendessen mit Dario Amodei wiederholte, neue Regeln würden China die Tür öffnen.
Dass Gates an diesem Wochenende spricht, ist wohl kein Zufall. Die Liste derer, die Trump zu dem Thema erreichen wollen, ist in den vergangenen Wochen länger geworden, und Amodei saß am Sonntagabend als Erster am Tisch.
Ein Microsoft-Gründer ist hier der bequemere Bote
Gates bringt etwas mit, was Amodei fehlt: Er verkauft keine Frontier-Modelle. Der Vorwurf, mit Weltuntergangswarnungen die eigene Marktstellung zu zementieren, trifft ihn nicht, und genau dieser Vorwurf liegt seit Tagen gegen Anthropic auf dem Tisch. Wenn dieselbe Botschaft von jemandem kommt, der nichts davon hat, wird sie schwerer abzutun.
Ob das bei Trump verfängt, ist eine andere Frage. Der Präsident hat am Sonntag gesagt, er mache sich wegen entlaufener Agenten keine Sorgen. Ein Interview auf NBC wird daran kaum etwas ändern. Es verschiebt eher, wer in dieser Debatte als Extremist gilt.