Am Donnerstag fiel OpenAIs gemeldeter Jahresumsatz von 68 auf 50 Milliarden Dollar, und Nvidia, Oracle und CoreWeave fielen mit. Seit dem Wochenende ist die bessere Erklärung da, und sie ist langweiliger als der Kurssturz: Die beiden Firmen rechnen nicht gleich.
Der Unterschied steckt in den Cloud-Partnern
Anthropic zählt den vollen Wert der Verkäufe, die über Cloud-Partner laufen – über AWS, Google Cloud, Microsoft Foundry. OpenAI zählt nur seinen eigenen Anteil daran. Die Financial Times berichtete am Donnerstag, OpenAI habe seinen Investoren gesagt, der annualisierte Umsatz nähere sich Ende September 50 Milliarden. Dass vorher 68 bis 70 Milliarden im Umlauf waren, lag daran, dass Investoren die Zahlen auf Anthropics Methode umgerechnet hatten.
Bloomberg hat das am Freitag unter eine Überschrift gestellt, die das Problem benennt: Die Umsatzrechnungen von Anthropic und OpenAI verwirren Investoren.
Brutto und netto, sagt die Wall Street
Jim Cramer sagt, OpenAI berichte „anders als Anthropic“ und die Zahl sei „nicht Äpfel mit Äpfeln“. Daniel Newman, Chef der Futurum Group, wurde deutlicher: „Das ganze OpenAI-Drama heute waren Leute, die den Unterschied zwischen Brutto- und Nettoumsatz nicht kennen.“
Shay Boloor von Futurum Equities verschiebt die Frage auf das, was wirklich hängen bleibt: Wie viel von jedem KI-Dollar behält OpenAI, nachdem Microsoft, Amazon und Alphabet ihren Anteil genommen haben? Allein an Microsoft gehen laut The Information bis 2030 20 Prozent des Gesamtumsatzes.
Nach Zahlen der Plattform Bull Theory wurden am Donnerstag 500 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet. Für eine Definitionsfrage ist das ein hoher Preis.
Für Anthropic ist das keine Fußnote
Anthropic will an die Nasdaq, mit einer Bewertung, über die zwei Billionen Dollar im Gespräch sind. Wer eine solche Zahl rechtfertigen will, rechnet lieber mit der Methode, die mehr Umsatz zeigt.
Falsch ist daran nichts. Brutto zu buchen ist zulässig, wenn man der Vertragspartner des Kunden ist. Nur sucht ein Anleger eben nach einer anderen Zahl.
Vergleichen kann man erst nach dem Prospekt
Solange beide Firmen privat sind und ihre Kennzahlen selbst definieren, ist jeder direkte Vergleich eine Schätzung mit guter Presse. Das ändert sich bei Anthropic mit dem Börsengang: Dann liegen geprüfte Zahlen vor, in einem Format, das die SEC vorgibt.
Es wäre das erste Mal, dass sich bei einem der beiden Häuser nachrechnen lässt, wie viel von einem KI-Dollar am Ende wirklich dort bleibt. Bis dahin sagt die Lücke zwischen 50 und 68 Milliarden nichts über Nachfrage – nur etwas über Buchhaltung.