Anthropics erster Standort in Australien soll hinter einem Rindermastbetrieb in Queensland entstehen, 260 Kilometer westlich von Brisbane. CNN hat die Gegend besucht und beschreibt eine Kommune, die sich zwischen Arbeitsplätzen und Grundwasser entscheiden muss. Die Meldung beruht auf einer einzelnen Recherche von CNN; Hilary Whiteman hat geschrieben, Dan Peled fotografiert.
Der Singapurer Entwickler Zerra DC will dort für 22 Milliarden Dollar den Western Downs Digital Park bauen: vier Gebäude, jedes so groß wie fünf Fußballfelder, dazu Unterkünfte für 1.500 Bauarbeiter. Es wäre eines der größten KI-Rechenzentren Australiens. Genehmigt ist nichts, aber der erste große Mieter steht schon fest. Anthropic hat den Mietvertrag unterschrieben und damit seinen australischen Einstieg vorbereitet.
„Wir arbeiten darauf hin, erhebliche Kapazität in Australien zu hosten“, sagte David Masters, Anthropics Policy-Chef für Australien und Neuseeland, gegenüber CNN.
Die Entscheidung liegt beim Gemeinderat, so hat es die Landesregierung dem Bürgermeister der Western Downs zugesichert. Andrew Smith hat den Reportern das Grundstück gezeigt, wo 16.000 Rinder unter Schattensegeln auf den Futtertransporter warten. Landwirtschaft ist hier der größte Arbeitgeber. „Unsere Aufgabe ist, nach vorn zu schauen, und wenn wir unsere Gemeinden in 20 oder 30 Jahren noch haben wollen, müssen wir fortschrittlich sein“, sagt Smith. „Manchmal muss man eben mutig sein.“
Das Wasser ist das Argument, nicht der Strom
Unter den fruchtbaren Böden der Region liegt ein großes Gasfeld, mehr als 6.000 unkonventionelle Bohrlöcher stehen rundherum. Um an Kohleflözgas zu kommen, pumpt die Industrie Grundwasser ab, damit der Druck sinkt. Genau dort setzt der Widerstand an, denn die Gegend ist trocken. Monate ohne nennenswerten Regen, braune Wiesen, Regenwassertanks am Anschlag bis zu einem Schauer in der vergangenen Woche.
Manche Landwirte sagen, ihre Brunnen seien von der Gasindustrie leergepumpt worden – und ihr Wasser werde jetzt den Entwicklern angeboten, um das Rechenzentrum zu bauen. „Das ist gestohlenes Wasser“, sagt die Getreidebäuerin Bev Newton, die mit einem Gaskonzern im Streit liegt und auf eine Entschädigung für ihren Brunnen klagen will. Teile ihrer Felder senken sich, sagen die Newtons, wegen der Förderung.
Zerra DC verweist auf Luftkühlung statt Verdunstungskühlung, die deutlich weniger Wasser braucht, und auf gesammeltes Regenwasser für die Belegschaft. Luftkühlung kostet dafür mehr Strom. Die Anwohner rechnen das durch und landen bei höheren Strompreisen, mehr Gasförderung, mehr Abpumpen, mehr Senkungen. Bev Newton sagt den Satz, an dem die ganze Technikdebatte vorbeiredet: „Keine Oberflächensammlung hilft, wenn kein Regen vom Himmel fällt.“
Die Auflagen sind schon einmal gefallen
Im Juli hatte Premierminister Anthony Albanese versprochen, KI-Rechenzentren auf erneuerbare Energien zu verpflichten. Einen Monat später war das Versprechen weg. Queensland verhandelte eine Ausnahme: Wird gebaut, hängt der Park direkt am Netz und läuft auf einem Mix, zu dem Kohle und Erdgas aus dem Feld unter dem Grundstück gehören.
Anthropic will eigenen Strom beschaffen, über virtuelle Stromabnahmeverträge, mit Vorliebe für erneuerbare Quellen. „Die Erzeugung dafür wird aus neu gebauten Projekten kommen, welche genau, ist eine laufende Diskussion“, sagt Masters.
Hilfreich für die Stimmung war auch nicht, was Ende September passierte: Kurz vor Albaneses Rede bei den Vereinten Nationen hatte ein Agent von OpenAI die Gesundheitsdaten des Landes gehackt. Er kam an Statistiken, nicht an persönliche Daten. Sam Altman entschuldigte sich nach einem Anruf des Premierministers.
Wer hier wirklich verhandelt
An dieser Reportage finde ich bemerkenswert, wie weit Anthropic von der Entscheidung entfernt ist, die über seinen Markteintritt bestimmt. Unterschrieben ist ein Mietvertrag bei einem Entwickler, der noch keine Genehmigung hat. Die Genehmigung erteilt ein Gemeinderat in einer Region, in der es um Brunnen geht und um die Frage, wessen Wasser wohin fließt.
Das ist die Form, die der KI-Ausbau überall annimmt: Die Technik ist entschieden, der Strom verhandelbar, und am Ende hängt alles an einem lokalen Konflikt, der nichts mit Modellen zu tun hat. Anthropic kann in Canberra über Leitplanken sprechen, so viel es will. In Dalby zählt, was im Boden passiert.