Anthropic hat seinen ersten Rechenzentrums-Mietvertrag in Australien unterschrieben. Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei Personen, die mit dem Geschäft vertraut sind. Es geht um einen Campus mit geplanten 2,16 Gigawatt — damit läge er auf Augenhöhe mit den größten Anlagen, die heute weltweit laufen.
Was geplant ist
Der Standort liegt auf Ackerland rund 250 Kilometer von Brisbane entfernt, in den Western Downs bei Dalby. Ab 2027 sollen die ersten Teile ans Netz gehen. Entwickelt wird die Anlage vom Singapurer Unternehmen Zerra DC, das laut Reuters Strom über Abnahmeverträge für erneuerbare Energie beziehen und die Kosten des Netzanschlusses selbst tragen will, ohne bestehende Kunden zu belasten.
Zwei Details sind bemerkenswerter als die Gigawattzahl. Erstens: Die Anlage soll Inferenz leisten, also Anfragen beantworten, nicht Modelle trainieren. Australien hat angekündigt, die Nutzung im Land erzeugter Inhalte fürs Training zu beschränken. Zweitens: Gekühlt wird mit einem geschlossenen Luftkreislauf, der deutlich weniger sauberes Wasser braucht als die üblichen Verfahren.
Der Deal steht unter dem Vorbehalt der australischen Investitionsprüfbehörde. Anthropic und Zerra DC wollten sich nicht äußern.
Der Streit vor Ort läuft schon
Der australische Sender ABC beziffert das Vorhaben auf 32 Milliarden Dollar, nennt rund 725 Hektar Fläche und etwa 1.000 dauerhafte Arbeitsplätze; der Bauantrag liegt seit vergangenem Monat vor. Queenslands Premier David Crisafulli feiert es als Gewinn für Jobs, Netz und Strompreise. Die Bürgerinitiative Save Our Darling Downs hält dagegen, und ihr Einwand zielt genau auf den Punkt, den Reuters anders darstellt: Laut ABC hat sich Queensland eine Ausnahme von der bundesweiten Auflage gesichert, solche Anlagen ausschließlich an erneuerbare Erzeugung zu koppeln — im Strommix stünden damit auch Kohle und Gas.
Der Stromhunger lässt sich schwer kleinreden. ABC vergleicht ihn mit dem von 1,5 Millionen australischen Durchschnittshaushalten.
Gebaut wird weiter, während über das Bremsen geredet wird
Das Timing ist die eigentliche Nachricht. Vergangene Woche hat Dario Amodei die Branche aufgefordert, das Tempo an der Grenze des Machbaren zu drosseln. Diese Woche mietet seine Firma zwei Gigawatt in Australien.
Ein Widerspruch ist das nicht, jedenfalls nicht auf dem Papier: Amodeis Vorschlag betrifft das Trainieren neuer Fähigkeiten, und die Anlage ist ausdrücklich fürs Beantworten gedacht. Aber Inferenzkapazität ist keine neutrale Größe. Wer 2,16 Gigawatt für Antworten reserviert, plant mit sehr viel mehr Nutzung, und Nutzung ist der Grund, warum die nächste Trainingsrunde sich rechnet.
Australien verkauft sich derweil als günstige, energiereiche Alternative zu den überfüllten Märkten in den USA und Asien. Ökonomen halten bis 2030 Investitionen von 150 Milliarden australischen Dollar für möglich. Ab 2027 will die Regierung dann Grenzen für Fläche, Wasser und Strom setzen — also genau in dem Jahr, in dem die ersten Server anlaufen sollen.
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