Am 24. August meldete RUM Group per 8-K einen Vertrag über sechs Jahre und rund 13,7 Milliarden Dollar. Der Käufer stand nur als «an unaffiliated U.S.-based third party cloud customer» in den Unterlagen. Gestern Abend hat «The Information» den Namen nachgeliefert: Anthropic. Bestätigt hat das bis Sonntagabend keine der beiden Firmen.
RUM Group gehören die Videoplattform Rumble und die europäische KI-Cloud Northern Data. Verkauft wird Zugang zu GPUs an einem Standort in Maysville, Georgia, der laut Einreichung «currently under development» ist. Die Summe verteilt sich auf drei Tranchen von je etwa 4,57 Milliarden Dollar.
Der Haken in Tranche drei
Die dritte Tranche gilt erst, wenn der Kunde den vorgeschlagenen Liefertermin geprüft und akzeptiert hat. Schafft RUM Group den Termin nicht, schrumpft die Verpflichtung auf rund 9,1 Milliarden Dollar. Der Kunde hat also einen Ausstieg für ein Drittel des Vertrags.
Und RUM Group sagt selbst, man habe die Finanzierung für Maysville und die GPUs noch nicht zusammen. Die eigenen Verpflichtungen aus dem Vertrag hängen aber nicht daran, ob das Geld kommt.
Der Penny-Warrant
Der ungewöhnlichere Teil ist der Optionsschein. Der Kunde darf bis zu 50.808.408 Class-A-Aktien zu einem Cent das Stück kaufen. Das entspricht etwa 18 Prozent der ausstehenden Class-A-Aktien von Anfang August und wäre zum Kurs vom Freitag rund 364 Millionen Dollar wert.
Er wird in zwei Hälften fällig. Die erste in drei Schritten zu je 16,67 Prozent, jeweils beim Kauf einer Tranche. Die zweite in fünf Schritten zu je zehn Prozent – aber nur, wenn beide Seiten weitere Erweiterungsverträge unterschreiben. Voll ausgeübt wäre der Schein erst bei Zukäufen von mehr als dem Zweieinhalbfachen der ersten drei Tranchen, also jenseits von 34 Milliarden Dollar.
Wem gehört RUM Group? Tether und Mitgründer Giancarlo Devasini halten laut einer Meldung vom 4. September 50,3 Prozent der Class-A-Aktien. «The Information» hat die Geschichte unter einer Überschrift veröffentlicht, die RUM Group «Trump-linked» nennt.
Warum ich das lese
Das Timing. Am Samstag hat Dario Amodei die Branche aufgefordert, langsamer zu machen, und dabei ausdrücklich mögliche Grenzen für Trainings-Rechenleistung erwähnt. Einen Tag später steht sein Unternehmen als Käufer von GPU-Kapazität über sechs Jahre in der Zeitung.
Das ist kein Skandal. Man kann für Regeln sein, die für alle gelten, und trotzdem einkaufen, solange sie nicht gelten – alles andere wäre einseitige Abrüstung, und genau davor warnt Amodeis Text selbst. Nur wird die Stelle schwerer zu verteidigen, je länger die Liste der Verträge wird.
Was mich mehr beschäftigt, ist die Konstruktion. Ein Rechenzentrum, das noch nicht gebaut ist, finanziert von einer Firma, die das Geld dafür noch nicht hat, abgesichert durch einen Optionsschein auf fast ein Fünftel ihrer Aktien. Wenn Maysville steht, hat Anthropic Rechenzeit und einen Anteil an seinem Vermieter. Wenn nicht, hat Anthropic einen Ausstieg und RUM Group ein Problem. Die Risiken liegen in diesem Vertrag nicht besonders gleichmäßig verteilt.
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