Amazon hat am 27. Oktober ein internes Memo auf die eigene Website gestellt, das seit September im Haus zirkuliert. Es schreibt fest, was ein Software Development Engineer und was ein Manager im KI-Zeitalter sein soll. CNBC hat es ausgewertet.
Was Amazon für fehlerhaft hält
Token-Nutzung, die Einführungsrate von KI-Werkzeugen und die Menge an Codeänderungen oder Reviews nennt das Memo wörtlich „deeply flawed“, also tief fehlerhaft, wenn man damit Teams oder Organisationen bewertet. Die Begründung ist nüchtern: Solche Zahlen treiben Kosten und Komplexität.
Ganz weg sollen sie nicht. Token-Nutzung und erzeugter Code seien „with care and judgment“ neben anderen Daten zu betrachten. Der Satz, an dem der Rest hängt, lautet: „We believe that it is best to measure, and be measured by, long-term outcomes.“
Was stattdessen gemessen wird
Marc Brooker, Vice President und Distinguished Engineer bei AWS, hat CNBC genannt, worauf Amazon ausgewichen ist: feature velocity. Er beschreibt sie als die Frage, wie viele Starts man hinbekommt und wie viele erfolgreiche Änderungen in Produktion gehen. Sein Rahmen dafür ist Rendite: Wenn ein Problem für Kunden oder fürs Geschäft wichtig ist, steckt man Werkzeuge, Zeit, Tokens und Arbeit hinein.
Interessant ist, wo er die Grenze zieht. Vermeiden will er vergeudete Mühe, also Tokens für Probleme, die nicht zählen. Gleichzeitig räumt er ein, dass man das vorher oft nicht weiß, und dass es deshalb eine gewisse Bereitschaft zum Ausprobieren braucht. Das ist das Gegenteil einer Obergrenze. Ein Amazon-Sprecher stellt dazu klar, dass es keine Token-Deckel für Mitarbeiter gibt.
Der bemerkenswerteste Satz steht am Rand
Amazon hält im Memo auch fest, dass KI nicht überall hilft: „If your work does not benefit from current AI tooling, that is a finding, not a failing.“ Und: Wer erklären kann, wo KI seiner Arbeit noch nicht hilft, zeige damit genau das Urteilsvermögen, um das es gehe. In einem Haus, das Werkzeuge dieser Art selbst verkauft, ist das eine ungewöhnliche Zeile.
Die Kennzahl erzeugt das Verhalten, das sie messen soll
Den Beleg liefert Amazon selbst. Im Mai hat das Unternehmen eine interne Rangliste abgeschaltet, nachdem aufgefallen war, dass Mitarbeiter Tokens verbrannten, um darin zu steigen. Über die Wende zum ROI habe ich vor einer Weile geschrieben, damals als Branchenstimmung. Jetzt steht es als Rollenbeschreibung in einem Konzern mit Hunderttausenden Beschäftigten. Wer in seinem Team Claude-Code-Nutzung über Tokens berichtet, hat jetzt ein Dokument, auf das er zeigen kann.