Dan Roberts, Research Lead bei OpenAI, hat am Donnerstag auf X mitgeteilt, dass OpenAI sein Sponsoring für den Caltech-Mathathon beendet. Seine Formulierung: Man erkenne an, dass der rasche Fortschritt der KI in der Mathematik disruptiv sei.
Die Mathematiker, um die es geht, hatten ein anderes Wort benutzt: destruktiv.
Worum es bei dem Wettbewerb geht
Der Mathathon ist kein Benchmark-Rennen. 100 Teams aus Mathematikern bekommen je 40 Stunden und 20.000 Dollar an Tokens, um eine einzige Frage zu bearbeiten: Wie lässt sich KI verantwortungsvoll einsetzen, um das menschliche Verständnis von Mathematik zu erweitern? Die erste Runde startet am 30. Oktober. OpenAI und Anthropic hatten zusammen zwei Millionen Dollar an Credits zugesagt.
Genau dieser Aufbau ist es, an dem sich der Streit entzündet hat.
Der offene Brief
Diese Woche haben aktive und ehemalige Caltech-Mathematiker einen offenen Brief veröffentlicht. Der Vorwurf darin ist deutlich: KI-Firmen betrieben eine Kampagne wissenschaftlicher Desinformation über die Ziele mathematischer Forschung, um damit ihre Produkte zu bewerben. Die so entstehende „Slop-Mathematik” komme wissenschaftlichem Fehlverhalten gleich, weil sie die Arbeit forschender Mathematiker aufsaugt und ihnen damit Ergebnisse wegschnappt, ohne zum Verständnis beizutragen. Der Mathathon selbst, so der Brief, hätte zerstörerische Folgen für die mathematische Gemeinschaft.
Der Brief traf auf einen bereits laufenden Konflikt. OpenAI hatte in derselben Woche verkündet, das Navier-Stokes-Problem gelöst zu haben. Mathematiker bestreiten den Beweis, und daraus wurde ein handfester Streit: Tristan Buckmaster von der NYU und Levent Alpöge von Anthropic haben öffentlich die Frage gestellt, ob OpenAI mitbekommen hatte, dass die beiden kurz vor einem Durchbruch standen, und deren Arbeit über die Trainingsdaten verwertet hat. Zwei Tage später unterschrieben 25 Fields-Medaillisten ihre eigene Erklärung.
Was der Ausstieg praktisch bedeutet
Ein Sprecher des Mathathons sagte Gizmodo, OpenAI habe konkret 10.000 der 20.000 Dollar pro Team getragen. Man sei derzeit mit anderen Firmen im Gespräch, die bereit seien, eine ähnliche Summe pro Team beizusteuern. Auswirkungen auf die Veranstaltung erwarte man nicht in nennenswertem Umfang.
Die Hälfte des Budgets fehlt also, und die Organisatoren geben sich gelassen.
Einordnung
Bemerkenswert ist, wogegen OpenAI hier eigentlich sein Geld zurückzieht. Der Mathathon ist nicht der Wettbewerb, in dem Modelle Vermutungen knacken. Er ist die Veranstaltung, in der Mathematiker herausfinden sollen, wie sie diese Werkzeuge sinnvoll benutzen. Also ungefähr das, was die Kritiker einfordern.
Der offene Brief war hart formuliert, das stimmt. Ein Sponsor, der die Kritik ernst nimmt, hätte trotzdem die andere Richtung wählen können: dableiben und zuhören. Stattdessen steht die Frage jetzt so im Raum, dass die Mathematiker sie beantwortet bekommen, ohne sie gestellt zu haben.
Quellen: Gizmodo: OpenAI Is Beefing With Mathematicians, Will No Longer Sponsor Caltech ‘Mathathon’, Business Insider via Yahoo: OpenAI pulls out of Caltech math hackathon, Techmeme-Übersicht