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Mistral gegen Amodei: «Einige Platzhirsche nutzen diesen Moment»

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Ein Darmstädter KI-Professor nennt den Vorschlag regulatorische Vereinnahmung. Frankreichs Finanzminister wird noch deutlicher.

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Europas KI-Firmen halten wenig vom Bremsen. Reuters hat am Freitag Stimmen aus Paris, Frankfurt und Brüssel gesammelt, und der Tenor ist überall derselbe: Wer vorn liegt, hat leicht reden.

Was die Firmen sagen

Mistral, gemessen an allem Übrigen Europas beste Hoffnung auf ein eigenes Frontier-Modell, formuliert es in einer Erklärung so: «Einige Platzhirsche nutzen diesen Moment, um ihre Marktposition zu festigen, und drängen auf eine Regulierung, die sie gegenüber Wettbewerbern bevorzugt.» Die Risiken seien seit Monaten bekannt – neu sei nur der Zeitpunkt, zu dem darüber geredet wird.

Raphael Auphan, Betriebschef des Schweizer Datenschutzunternehmens Proton, sagte auf einer Konferenz in Paris: «Ich halte das für vollkommen eigennützig. Die wollen nur die Abhängigkeit von ihrem Dienst erhalten.» Ben Brooks, Politikchef beim deutschen Startup Black Forest Labs, warnt davor, eine Kluft zwischen großen Laboren und Neueinsteigern «auf Basis willkürlicher Schwellenwerte» zu zementieren; das ersticke offene Entwicklung nahe der Spitze.

Clement Delangue von Hugging Face hält dagegen – teilweise. «Es ist nicht die Zeit langsamer zu werden, sondern schneller», schrieb er auf X. Amodeis Idee, unabhängige Prüfer fest in die Labore zu setzen, findet er trotzdem gut.

Die Politik zieht nach

Kristian Kersting, KI-Professor an der TU Darmstadt, nennt den Vorschlag regulatorische Vereinnahmung: «Wenn eine Handvoll großer Unternehmen selbst entscheidet, was ‚gefährlich’ ist, sich die passenden Prüfer aussucht und eine Ausnahme vom Wettbewerbsrecht verlangt, ist das keine echte Regulierung mehr.»

Frankreichs Finanzminister Roland Lescure sagte Reuters: «Alle hinter ihnen langsamer machen, damit sie vorn bleiben – deren Eigeninteresse kann ich deutlich erkennen.» Das deutsche Digitalministerium hält einen Stopp angesichts des Bedarfs an digitaler Souveränität für unrealistisch. Daniel Abbou vom KI-Bundesverband wird grundsätzlich: «Für europäische Firmen ist diese Debatte irrelevant. Wir müssen erst mal unseren technologischen Rückstand aufholen.»

Der Vorwurf trifft einen wunden Punkt

Ich finde den Einwand nicht billig. Ein Tempolimit trifft nicht alle gleich: Wer vorn fährt, verliert nichts, wer aufholen will, verliert seinen einzigen Hebel. Und die Prüfer, die Amodei ins Haus lassen will, kosten Geld und Struktur – ein drei Jahre altes Unternehmen kann das schlechter stemmen als eines mit 65 Milliarden Jahresumsatz.

Trotzdem bleibt der Einwand eine Aussage über Motive, nicht über Risiken. Ob Amodei aus Eigennutz handelt, ändert nichts daran, ob die Gefahren echt sind. Europa beantwortet gerade die erste Frage sehr laut und die zweite gar nicht. Washington hat das Tempolimit schon abgelehnt, aus ganz anderen Gründen. Für Amodei läuft es auf dasselbe hinaus.

Quellen

MistralEuropaRegulierung