Google hat Gemini 4 Argon am 13. Oktober allgemein freigegeben. Über die Benchmarks des Modells habe ich Anfang Oktober geschrieben, damals war es eine Ankündigung ohne Verfügbarkeit. Jetzt läuft es weltweit über die API in AI Studio und auf der Gemini-Plattform, für Ultra-Abos in Antigravity und für Pro- und Ultra-Abos in der Gemini-App und im AI Mode der Suche. Ob Plus-Kunden und kostenlose Konten es je bekommen, sagt Google nicht.
Der Preis ist das eigentliche Ereignis
Argon startet mit 2 Dollar je Million Eingabe-Token und 10 Dollar je Million Ausgabe-Token, gecachte Eingaben kosten 95 Prozent weniger. Das ist nach Rechnung der Verge etwa ein Fünftel von OpenAIs GPT-6 Astra und von Anthropics Fable 5. Ende November läuft der Einführungspreis aus und die Sätze verdoppeln sich. Auch danach bleibt Argon pro Token deutlich billiger als die Konkurrenz an der Spitze, was sich nicht automatisch in niedrigere Rechnungen übersetzt: Zwei Modelle brauchen für dieselbe Aufgabe unterschiedlich viele Token.
Beim Ranking hält sich Google an den Vals Index, der Modelle über Finanzen, Code, Recht und Steuern prüft. Dort steht Argon auf Platz eins. Google behauptet außerdem, Argon schlage GPT-6 Astra, Claude Fable 5.1 und Claude Opus 5.5 über eine ganze Reihe von Benchmarks, darunter Code, Cybersicherheit, Wissenschaft, Finanzen und Recht.
Was Google intern damit gemacht hat
Interessanter als die Benchmarks sind die Beispiele aus dem eigenen Haus. Mit Argon in Antigravity hätten Teams die Zahl agentischer Code-Einreichungen um über 35 Prozent erhöht und die Rollbacks um knapp ein Drittel gesenkt.
Im Chromium-Code, 40 Millionen Zeilen groß, hat das Chrome-Team mit Argon einen Altbestand von rund sechs Millionen Zeilen aus der Kernlogik für Webseiten herausgelöst, verteilt über hunderte Dateien. Google beschreibt das als Monate Arbeit in Wochen. Für Nutzer soll dabei herauskommen, dass eine laufende Seite zwischen Tab, Seitenpanel und Fenster wandern kann, ohne neu zu laden.
Weitere Zahlen, die Google nennt: Beim Agent Development Kit sank die Vorbereitungszeit langer Sessions um 40 Prozent, die Kaltstarts um 21 Prozent. Das Quantenchemie-Paket xTB wurde 2,3-mal schneller bei der Strukturvorhersage. Und bei Gemma 4 E2B hat Argon den Durchsatz über vLLM von etwa 37.900 auf über 108.000 Token pro Sekunde gebracht, nach Googles Angabe ohne Qualitätsverlust.
Für Claude-Nutzer ist der November der Termin
Die Benchmark-Behauptungen kommen von Google und werden sich in den nächsten Wochen an fremden Messungen reiben. Belastbar ist der Preis, und der zielt direkt auf den Punkt, an dem Agenten teuer werden: viele Token für wenig sichtbares Ergebnis. Anthropic hat genau dort zuletzt selbst nachgelassen, bei Sonnet 5.5 sind die Cache-Reads Anfang Oktober von 20 auf 10 Cent je Million Token gefallen. Ende November, wenn Googles Einführungspreis ausläuft, sieht man, wie viel von dem Abstand übrig bleibt.