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Claude entdeckt ART: ein Enzymsystem mit CRISPR-ähnlichen Wiederholungen

3 Min. Lesezeit KI-generiert

950 Agenten haben 21 Stunden lang 200.000 reverse Transkriptasen durchgesehen. Mitten im Protokoll schreibt einer von ihnen: «Das ist spektakulär.»

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Anthropic hat gestern zwei Dinge auf einmal bekannt gegeben: eine neue Forschungsgruppe für Biowissenschaften samt eigenem Labor — und deren erstes Ergebnis. Claude hat in der DNA von Bakteriophagen ein bislang unbeschriebenes Enzymsystem gefunden. Anthropic nennt es ART, kurz für array-associated reverse transcriptases.

Dass es das Labor gibt, war schon raus: Reuters hat das Nasslabor vor einer Woche aufgedeckt, ohne dass die Firma sagen wollte, woran dort gearbeitet wird. Jetzt steht es im eigenen Blog.

950 Agenten, 21 Stunden, 210 Millionen Token

Der Auftrag an Claude bestand aus einem Prompt: Durchsuche eine sehr große Datenbank mit DNA-Sequenzen nach interessanten neuen reversen Transkriptasen. Solche Enzyme, kurz RT, schreiben RNA zurück in DNA. In Bakterien gehören viele von ihnen zum Immunsystem.

Danach hat Anthropic nach eigener Aussage nichts mehr gesteuert außer der Laborarbeit. Rund 950 Agenten kämmten 21 Stunden lang die Daten durch und verbrauchten dabei 210 Millionen Token. Sie sammelten über 200.000 RTs ein, filterten 3.500 Kandidatensysteme heraus und verdichteten die auf 20, zu denen sie lesbare Berichte schrieben. Ein Fachmensch braucht für so eine Analyse Wochen bis Monate.

Beim Lesen der rohen Sequenz neben einer ungewöhnlichen RT notierte ein Agent: «[Die DNA neben der RT] ist spektakulär: Ich sehe mit bloßem Auge ein Tandem-Repeat-Array … das ist ein CRISPR-artiges … Repeat-Array?!» Dann zählte er die Wiederholungen, maß ihre Abstände, verglich das Muster mit bekannten RT-Systemen, suchte die Literatur nach einem früheren Fund ab und legte einen Bericht zur menschlichen Prüfung vor.

Was ART ist, und was niemand weiß

ART besteht aus drei Teilen: der reversen Transkriptase, einem Partnergen direkt daneben und einer langen Reihe gleichmäßig verteilter DNA-Wiederholungen. Dieses Layout erinnert an ein CRISPR-Array, also an jene Bank aus RNA-Sequenzen, die CRISPR-Cas-Systeme programmierbar macht. Erste Experimente im Labor zeigen, dass auch das ART-Array als Satz kurzer RNAs abgelesen wird.

Wozu das System dient, weiß Anthropic nicht, und die Firma schreibt das auch hin. Bekannt ist nur: Die Merkmale, die ART kombiniert, kennt man bisher von einer Handvoll anderer Systeme, und die sind alle programmierbar. Sie schneiden, kopieren oder kleben DNA.

Feng Zhang vom MIT und Broad Institute, einer der Pioniere des CRISPR-Genome-Editing, hat den Preprint gelesen. Er nennt den Fund «wirklich faszinierend» und der weiteren Untersuchung wert. Die zugrundeliegende RT aus einem Jumbo-Phagen war längst bekannt. Neu ist, dass jemand die beiden Bestandteile daneben bemerkt hat.

Das Labor arbeitet mit denselben Werkzeugen wie du

Das Labor liegt in der Bay Area und sieht laut Anthropic aus wie ein normales molekularbiologisches Labor. Gearbeitet wird auf den Sicherheitsstufen BSL-1 und BSL-2, mit Erregern, die Menschen infizieren können, hantiert dort niemand. Die Laborarbeit machen ausschließlich Menschen.

Für alle, die selbst mit Claude arbeiten, ist ein Detail interessant: Die Forschenden nutzen Claude Science und Claude Code, also dieselben Werkzeuge, die jeder bekommt. Dazu kommt ein eigener Harness, der viele Claude-Sitzungen parallel koordiniert. Und weil Claude so viele Hypothesen produziert, ist die Frage, welche davon einen Test verdienen, selbst zum Forschungsgegenstand geworden. Was das Team dabei lernt, geht zurück in die Anweisungen an Claude.

Der schwierige Teil war das Aussortieren

Dass eine Maschine in 200.000 Sequenzen etwas Auffälliges findet, ist Mustererkennung im großen Stil. Anspruchsvoller ist, was davor und danach passiert: aus 3.500 Kandidaten 20 zu machen. Anthropic schreibt, in der Nachprüfung fielen die meisten Vorschläge wieder raus, und eine Kampagne könne mit einem einzigen testwürdigen Kandidaten enden — oder mit keinem. Genau dieses Urteil hat man Modellen bisher nicht zugetraut.

Was ART tut, weiß trotzdem niemand. Der Fund ist eine Hypothese mit ersten Laborbelegen, kein Ergebnis. Anthropic sagt das selbst, und das ist die ehrlichere Variante. Ob KI-Agenten die Biologie wirklich beschleunigen, entscheidet sich daran, was aus ART wird, nicht an der Pressemitteilung von gestern.

Quellen

AnthropicClaudeForschung