Yuyuantantian, ein Social-Media-Account des chinesischen Staatssenders CCTV, hat am Samstag einen Beitrag über Anthropic veröffentlicht. Der Vorwurf: Die Änderungen an der Datenschutzerklärung hätten das Risiko für Nutzerdaten erhöht, weil sie es erlaubten, Daten an US-Geheimdienste weiterzugeben — ohne rechtliches Verfahren, sobald das Unternehmen es für nötig halte. Bloomberg hat den Beitrag am Freitagmorgen aufgegriffen.
Was in dem Beitrag steht
Der Account hat gezählt: 13 Überarbeitungen der Datenschutzerklärung seit 2023. Darunter Bestimmungen, die Daten von Nutzern aus Kanada, Brasilien, Südkorea und der Europäischen Union in die USA übertragen. Zwischen Juni 2024 und September 2025 sei die Zahl der Datenquellen, aus denen Anthropic schöpft, von drei auf sechs gestiegen.
Dazu kommen zwei Punkte, die Anthropic selbst öffentlich gemacht hat: die Umstellung im September 2025, bei der Training mit Nutzerdaten zur Voreinstellung wurde, und die Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten beim Thema Modell-Destillation durch chinesische Anbieter.
Der Zeitpunkt
Das Ganze erscheint vier Tage vor dem Treffen von Donald Trump und Xi Jinping in Washington. Am Sonntag haben Finanzminister Scott Bessent und Vizepremier He Lifeng in New York Gespräche eröffnet, bei denen KI, Zölle und seltene Erden auf der Tagesordnung stehen. Exportkontrollen und KI-Sicherheit sind ausdrücklich Thema.
Yuyuantantian ist für solche Vorlagen bekannt. Der Account gilt als Sprachrohr für Positionen, die Peking nicht offiziell vertreten will, und er hat Amerikas Techfirmen schon öfter kurz vor Verhandlungsterminen ins Visier genommen.
Was Anthropic dazu sagt
Nichts. Eine Stellungnahme gibt es bislang nicht.
Die Zahlen stimmen, die Empörung ist bestellt
Hier treffen zwei Dinge aufeinander, die man auseinanderhalten sollte. Eine Datenschutzerklärung, die in drei Jahren dreizehnmal umgeschrieben wird, ist für sich genommen unauffällig: Jede neue Funktion, jede neue Region, jede Aufsichtsbehörde zieht eine Änderung nach sich. Und das Training mit Nutzerdaten hat Anthropic im September 2025 selbst angekündigt, Voreinstellung inklusive. Neu ist an dem Beitrag: nichts.
Trotzdem lohnt das Hinsehen, und zwar aus einem anderen Grund. Wer Claude im Unternehmen einsetzt, bekommt hier eine Liste geliefert, die sonst niemand führt: wann welche Klausel dazukam und welche Länder betroffen sind. Dass die Liste aus Peking kommt und vier Tage vor einem Gipfel erscheint, macht sie nicht falsch. Es macht sie nur zu einem Argument in einer Verhandlung, in der es um Chips geht und nicht um deine Daten.