Anthropic denkt darüber nach, ein neues Modell herauszubringen, um OpenAI etwas entgegenzusetzen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf drei Quellen. Der Anlass ist GPT-6 Astra, das OpenAI am 3. September veröffentlicht hat und das bei Unternehmen einschlägt.
Astra holt auf, und zwar messbar
Zwei Zahlen stehen in dem Bericht. Bei der Spesenplattform Ramp entfallen inzwischen rund 13 Prozent der erfassten KI-Ausgaben von Unternehmen auf Astra, auf Claude Fable rund 8 Prozent. Und auf OpenRouter, wo Entwickler ihren Traffic über verschiedene Modelle verteilen, haben die Nutzer letzte Woche mehr Geld bei OpenAI gelassen als bei Anthropic – zum ersten Mal seit mehr als zweieinhalb Jahren.
Anthropic prüft laut einer der Quellen die Sicherheit des nächsten Modells, und das gehört zur Entscheidung über den Start dazu. Parallel wird intern abgewogen, wie viel Geld in neue Modelle fließt und wie viel in die Profitabilität. Steigende Zinsen machen Investoren ungeduldig. Anthropic wollte sich nicht äußern.
Beim Umsatz liegt Anthropic weiter vorn
Ende Juli lag der auf das Jahr hochgerechnete Umsatz bei über 65 Milliarden Dollar, Ende 2025 waren es noch rund 9 Milliarden. Für 2028 rechnet das Unternehmen mit 190 bis 200 Milliarden. OpenAI kam im Juli auf gut 40 Milliarden. Ein Teil der Investoren hält Astra deshalb für keine echte Gefahr: Wer einmal bei einem Großkunden drin ist, fliegt nicht so schnell wieder raus.
Die größere Bedrohung sehen sie woanders. Offene Modelle drücken die Tokenpreise und laden Unternehmen dazu ein, mehr selbst zu bauen, statt einzukaufen. Meta gehört zu Anthropics größten Kunden und will den eigenen Verbrauch nach Reuters-Informationen herunterfahren.
Der Widerspruch steht im eigenen Essay
Am 12. September hat Dario Amodei auf 3.800 Wörtern geschrieben: «We must slow the pace at which we improve the capabilities of AI models.» Sechs Tage später wird intern überlegt, ein Modell vorzuziehen, weil die Konkurrenz Anteile holt. Beides kann stimmen – man kann für Bremsen sein und trotzdem ein Produkt ausliefern müssen. Nur klingt ein Aufruf zum Langsamerwerden anders, wenn er aus dem Haus kommt, das gerade vorn liegt.
Der Börsengang macht es nicht einfacher. Er rückt auf November, womöglich hinter die Zwischenwahlen. Bis dahin schaut jeder Investor darauf, ob Anthropic die Führung bei Unternehmenskunden hält. Ein neues Modell wäre die schnellste Antwort – und die schlechteste Illustration für den Essay.