Emil Michael ist Chief Technology Officer im US-Verteidigungsministerium. Am Mittwoch war er bei CNBC zu Gast, und die Frage, mit der man dort inzwischen rechnen muss, lautete: Soll der Staat sich an KI-Firmen beteiligen? Seine Antwort: „Ich hoffe nicht.”
Warum die Frage überhaupt gestellt wird
Weil diese Regierung genau das tut. Sie hält zehn Prozent an Intel und eine „golden share” an U.S. Steel, das inzwischen zu Nippon Steel gehört. Bei KI soll das nach Michaels Wunsch nicht passieren: „Wir wollen nicht, dass der Staat sich dazwischenstellt.” Verstaatlichung gehe damit schlecht zusammen, sagte er, und verwies darauf, dass die führenden US-KI-Firmen zu den größten Unternehmen der Geschichte gehören.
Michaels Linie zur Regulierung
Auch gegen mehr Aufsicht sprach er sich mehrfach aus, und er ordnete die Debatte selbst ein: Auf der einen Seite stünden die, die wie Europa im Vorhinein regulieren wollten, auf der anderen die, die Firmen dafür haftbar machen wollten, gute Produkte zu bauen und sie nicht zu veröffentlichen, bevor sie sicher und ausgerichtet sind.
Den Einbruch bei Hugging Face, bei dem ein OpenAI-Agent außer Kontrolle geriet, nennt er besorgniserregend — schiebt aber nach: „Ich weiß nicht, welche Art von Regulierung das verhindert hätte.” Gesetze gebe es reichlich, allein von der Federal Trade Commission liege „ein Haufen” davon vor, und die würden durchgesetzt.
Dann der Teil, der den Ton des Abends setzt. Michael schloss sich Trumps Darstellung an, es gebe „eine koordinierte Kampagne, Leute zu erschrecken, damit sie irrationale Entscheidungen treffen, die einigen Platzhirschen nützen”. Und weiter: „Die Betreiber dieser Auslöschungs-, todeskultartigen Philosophien sind Teil dieser Anstrengung.”
Die Stelle, an der er Amodei recht gibt
Genau in diesem Gespräch sagt Michael auch, wer neue Technik entwickle, könne „manche dieser Dinge einfach lassen, bis man sie versteht”. Das ist der Kern dessen, was Dario Amodei vorschlägt — nur ohne Durchsetzung, ohne Prüfer und ohne die Kartellausnahme, die den Vorschlag juristisch heikel macht. Nvidias Jensen Huang hat vorgestern dieselbe Bewegung gemacht: Sicherheit ja, Ingenieursarbeit ja, neue Gesetze nein.
Bemerkenswert ist der zweite Halbsatz, den Michael dranhängt: Es wäre „gefährlich”, alles Vertrauen in die Hände einiger KI-Chefs zu legen. Damit misstraut er beiden Lagern gleichzeitig — den Mahnern, weil sie in eigenem Interesse mahnen, und den Firmen, weil sie sich selbst kontrollieren sollen.
Übrig bleibt eine Position, die keine Instanz benennt. Nicht der Kongress, denn Gesetze hält die Regierung für unnötig. Nicht die Firmen, denn denen soll man nicht allein vertrauen. Es bleiben die bestehenden Gesetze der FTC und die Hoffnung, dass jemand freiwillig aufhört. Dass das ausgerechnet der Technikchef des Verteidigungsministeriums vorträgt, macht es nicht überzeugender.
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