Meta hat am 12. Oktober Muse Wonder und Muse Wonder Full vorgestellt. Nach eigener Darstellung sind es die ersten Modelle des Hauses, die an der Spitze mitspielen, gebaut für persönliche und berufliche Agenten. Alexandr Wang, seit dem Umbau der KI-Sparte deren Chef, nennt im CNBC-Interview den Codenamen: Watermelon.
Active Memory und Active Focus
Meta hängt die Modelle an zwei Begriffe. Active Memory soll wichtige Zusammenhänge über Gespräche hinweg mitnehmen und im richtigen Moment hervorholen. Active Focus beschreibt das Durchhalten: andere Wege probieren, an Hindernissen nicht stehen bleiben, nachfragen, bevor etwas Wichtiges passiert.
Genau daran scheitern Agenten im Alltag, und Wang sagt es auch so. „Wenn du echte Aufgaben erledigst, kommen Hindernisse und Rückschläge“, sagt er. Das Modell sei darauf trainiert, dann einen anderen Ansatz zu probieren statt stehen zu bleiben und sich beim Nutzer zu melden. Als Beispiel nennt Meta Tischreservierungen und Verfügbarkeitsabfragen.
Gemessen wird das mit MemoryBench, FocusBench und SWE-Marathon. Nach Metas eigenen Zahlen erreichen Wonder und Wonder Full das Benchmark-Niveau von Claude Fable 5.1 und GPT-6 Astra, und auf MemoryBench liegen sie darüber. Trainiert wurden sie im Prometheus-Rechenzentrum in Ohio, das dieses Jahr in Betrieb ging. Zum Kontextfenster und zur Parametergröße sagt Meta nichts.
Wer es benutzen darf
Muse Wonder läuft über die Meta Model API und in Muse Code. Muse Wonder Full gibt es nur für Muse-Code-Abonnenten und nicht über die API. In der Muse-App selbst kommt Wonder zuerst für Abonnenten, und die zahlen 20 oder 100 Dollar im Monat. Für Muse Code sind es 50 oder 200.
Über die API kostet Wonder vier Dollar pro Million Eingabe-Token und 20 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Das ist ungefähr die Lage von GPT-6 Sol und Claude Opus 5.5.
Und noch eine Zeile, die zum Rest der Woche passt: Meta schreibt, Wonder habe die bislang stärksten Schutzmechanismen des Hauses gegen CBRN- und Cyber-Missbrauch, bei weiterhin offenem Zugang zu Cyber-Fähigkeiten für die Verteidigung. Diese Schutzmechanismen gibt es vorerst nur im bezahlten Modell. Ein vollständiger Sicherheitsbericht soll folgen.
Zwei Aussagen zum Preis, die nicht zusammenpassen
Wang sagt bei CNBC, die API-Variante werde teurer als die normalen Abos sein, weil es ein viel größeres Modell auf Frontier-Niveau ist, aber „deutlich unter“ den führenden Modellen von OpenAI und Anthropic liegen. Die veröffentlichte Preisliste liegt dagegen etwa dort, wo Opus 5.5 und GPT-6 Sol liegen. Eines von beiden stimmt nicht, und das ist keine Kleinigkeit: Wer Agenten baut, entscheidet nach genau diesem Verhältnis.
Für Anthropic heißt der Tag trotzdem etwas. Über Claude Haiku 5.5 und seine 10 Cent pro Million Token habe ich vorige Woche geschrieben, das ist die eine Richtung. Muse Wonder besetzt die andere: ein Modell, das nicht über den Preis kommt, sondern über Gedächtnis und Durchhaltevermögen. Falls Metas Zahlen halten, hat Anthropic auf dem Agentenfeld ab jetzt zwei Gegner statt einem.
Quellen
- Meta AI Research: Muse Wonder, A Frontier Model For Personal & Professional AI Agents
- CNBC: Meta debuts Muse Wonder AI model in latest test of users’ willingness to pay
- TechCrunch: Meta releases its first frontier model, Muse Wonder
- SiliconANGLE: Meta releases Muse Wonder AI models built to run personal and professional agents