Anthropic hat am Montag ein Forschungsergebnis veröffentlicht, das aus einer ungewöhnlichen Frage entstanden ist: Können motivierte Laien mit Claude ein echtes medizinisches Problem angehen? Gestellt hat sie Citrini Research, eine Firma für Anlage-Research. Herausgekommen sind 17 Protein-Binder gegen Skorpiongifte.
Was das Modell gemacht hat
Ein internes Forschungsmodell arbeitete 64 Stunden lang innerhalb von Claude Science, weitgehend ohne Eingriffe. Es bekam einen Ausgangsprompt, den Anthropic gemeinsam mit Citrini aus einer früheren Binder-Studie abgewandelt hatte, und danach vier Nachfragen. Mehr Steuerung gab es nicht.
In dieser Zeit erzeugte Claude 318.484 Proteinentwürfe und wählte 180 davon für den Labortest aus. Das Team legte 31 weitere dazu, auch das mit Claudes Hilfe. Die Auftragslabore Adaptyv Bio und Twist Bioscience testeten alle 211 Entwürfe darauf, ob sie an das Zielgift binden. 17 erfüllten die Kriterien, verteilt auf vier für Menschen gefährliche Neurotoxine. Die Datenanalyse, die Abbildungen und den Entwurf des Abschlussberichts hat ebenfalls Claude gemacht, unter Aufsicht.
Kein Gegengift, und Anthropic sagt das auch
Ob die 17 Binder das Gift in einer Zelle tatsächlich neutralisieren, ist nicht geprüft. Anthropic formuliert deshalb ausdrücklich keinen Anspruch, ein Antivenin entwickelt zu haben. Alle 211 Entwürfe samt Messdaten sind veröffentlicht.
Warum gerade Skorpione? Mehr als 1,2 Millionen Menschen werden jedes Jahr gestochen, über 3.250 sterben daran, überwiegend Kinder in Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung. Herkömmliche Gegengifte entstehen, indem man Pferde immunisiert und ihre Antikörper aufreinigt – Monate Arbeit, teuer, und jedes Serum wirkt nur gegen wenige Toxine. Als Geschäft rechnet sich das nicht, weshalb die Krankheit zu den vernachlässigten tropischen Erkrankungen zählt.
Zwei externe Fachleute haben die Arbeit begutachtet, Susana Vázquez Torres vom spanischen Krebsforschungszentrum CNIO und Timothy P. Jenkins. Beide nennen sie einen vielversprechenden ersten Schritt.
Binden ist nicht mehr das Problem
Vázquez Torres sagt den Satz, auf den es ankommt: Einen Binder gegen fast jedes Ziel zu entwerfen wirke nicht mehr unrealistisch, und das Binden selbst sei nicht länger der Engpass. Genau da liegt die Einschränkung. Was zwischen einem bindenden Protein und einem Medikament liegt – Wirksamkeit im Körper, Sicherheit, Zulassung, ein Preis, den Kliniken in Nordafrika oder Indien zahlen können –, hat Claude nicht angefasst. Dass dieser Teil jetzt der schwierigste ist, ist trotzdem eine gute Nachricht. Vor zwei Jahren war der Engpass noch das Design.