Anthropic hat am 22. Oktober Claude Models on Google Cloud (Anthropic managed) allgemein verfügbar gemacht. Der Name ist sperrig, der Unterschied ist einfach: Hier läuft die echte Claude API, Google Cloud ist nur die Zugangsschicht.
Zwei Wege, und sie unterscheiden sich im Datenschutz
Claude gab es auf Google Cloud schon länger, aber als von Google betriebenes Angebot. Jetzt stehen zwei Wege nebeneinander.
Beim Anthropic-managed-Angebot betreibt Anthropic den Dienst und ist Auftragsverarbeiter. Dafür bekommen Kunden den vollen Funktionsumfang der Claude Platform, und neue Funktionen samt Betas erscheinen am selben Tag wie auf der nativen Plattform. Das Google-managed-Angebot bleibt die Wahl für alle, die Google als Auftragsverarbeiter brauchen, strenge Vorgaben zum Datenstandort haben oder Google-eigene Integrationen wie Model Armor und Agent Engine nutzen wollen.
Abgerechnet wird beim Anthropic-Angebot über eine einzige Google-Cloud-Rechnung, und der Claude-Verbrauch zieht vom bestehenden Google-Cloud-Commitment ab. Die Zugriffsrechte laufen über die vorhandenen IAM-Zugangsdaten. Verfügbar sind zunächst die US- und die Global-Endpunkte.
Was alles mitkommt
Die Liste ist lang, und das ist der Punkt der Ankündigung. Für Agenten: Claude Managed Agents (Beta), Code Execution, Computer Use, Agent Skills und die Advisor-Strategie (Beta). Für Anbindungen: Files API, Citations, Web Search und Web Fetch sowie der MCP-Connector (Beta). Für Kosten und Tempo: Prompt Caching und Batch Processing. Dazu kommt Zugang zur Claude Console.
Modellseitig stehen Claude Fable 5.1, Opus 5.5, Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 bereit, neue Modelle sollen zum Start dazukommen. Und Fast Mode für Opus 5.5 ist dort ebenfalls allgemein verfügbar: bis zu 2,5-mal schnellere Ausgabe, zu 8 Dollar je Million Eingabe-Token und 40 Dollar je Million Ausgabe-Token.
Zwei Kundenstimmen führt Anthropic an, und beide nennen denselben Grund. Arvind Sundararajan, CTO, hebt den Zugang zu neuen Funktionen am ersten Tag hervor. Maksim Gorev, Head of AI Engineering, nennt Prompt Caching als die Technik, ohne die ihr Commerce-Agent Moby nicht bezahlbar wäre.
Ein Hinweis, den man vorher lesen sollte
Wer bereits einen Rabatt hat, soll vor dem Umzug mit dem Anthropic- oder Google-Cloud-Ansprechpartner sprechen. Rabatte lassen sich nachträglich nicht auf schon verbrauchte Tokens anwenden.
Beide Lager bauen jetzt in beide Clouds
Einen Tag zuvor sind OpenAI-Modelle in den Google Cloud Model Garden gekommen. Google verkauft inzwischen den Zugang zu den Modellen seiner beiden größten Konkurrenten, und beide liefern denselben Grund: Die Kunden sitzen mit ihrem Budget und ihrer Rechteverwaltung dort, nicht bei Anthropic.
Interessanter ist für Entwickler die Zeile zur Funktionsgleichheit. Bei den von Hyperscalern betriebenen Varianten war das Nachrücken neuer Betas immer die wunde Stelle. Dass Anthropic jetzt den Tag null zusagt, verschiebt die Frage von „welche Cloud“ zu „wer verarbeitet die Daten“ – und das ist eine Frage, die Juristen beantworten, nicht Entwickler.