Anthropic hat am 2. Oktober die Claude Frontier Academy gestartet, mit einer Zusage über 100 Millionen Dollar. Ziel sind 10.000 ausgebildete Frontier Deployed Engineers bis Ende 2027. In den ersten Kohorten stecken Leute von Accenture, Bain, Capgemini, der Commonwealth Bank of Australia, Deloitte, McKinsey, Morgan Stanley und Novo Nordisk.
Das Problem, das Anthropic damit lösen will, sind nicht die Modelle
Die Begründung im Beitrag ist knapp: Jedes Unternehmen will KI ins Haus holen, und die Leute, die das in einem echten Geschäft hinkriegen, sind inzwischen das knappste Gut. In den Firmen, mit denen Anthropic arbeitet, trägt eine kleine Gruppe sehr fähiger Leute einen überproportionalen Anteil dessen, was KI tatsächlich liefert.
Steve Corfield, bei Anthropic für Business Development und Partnerschaften zuständig, formuliert es so: «Ein kleines Team von Leuten mit hoher Eigeninitiative, den richtigen Fähigkeiten, Zugang zu Claude und einem tiefen Verständnis dafür, wie ihr Geschäft läuft, kann ein ganzes Unternehmen umbauen. Das Schwierige ist, diese Tiefe an Talent aufzubauen.»
Der Ablauf ist von der Medizin abgeschaut
Das erste Programm heißt Frontier Deployed Engineer Residency, und das Wort ist wörtlich gemeint. Ärzte lernen von praktizierenden Ärzten, üben an echten Fällen und werden geprüft, bevor sie allein arbeiten. Genauso hier:
- Präsenzprogramm über mehrere Tage mit Anthropic-Ingenieuren und lizenzierten Ausbildern. Durchgespielt wird eine simulierte Unternehmenseinführung, vom passenden Anwendungsfall über die Sicherheitsprüfung bis zur Übergabe.
- Praktische Prüfung an einem neuen Szenario. Wer besteht, bekommt das Abzeichen Claude Resident Engineer.
- Zwölf Wochen Residency im eigenen Unternehmen, an einem echten Claude-Anwendungsfall, begleitet von Anthropic-Ingenieuren und der eigenen Kohorte.
- Zweite Prüfung am Ende. Wer besteht, wird Claude Frontier Deployed Engineer. Die ersten werden für Anfang 2027 erwartet.
Gesucht werden praktisch arbeitende Softwareentwickler mit solidem Handwerk, Erfahrung im Bauen mit LLMs, Erfahrung darin, anderen bei der Einführung zu helfen, und der Angewohnheit, sich die wichtigsten Probleme ihres Geschäfts vorzunehmen. Erfahrung mit KI-Agenten ist ausdrücklich keine Voraussetzung. Die Organisationen nominieren selbst, und jeder Nominierte bringt ein benanntes Claude-Projekt mit, das er nach der Rückkehr leitet.
Kohorten laufen gerade in San Francisco, New York und London. Teilnahme nur auf Nominierung; ob ein Unternehmen in Frage kommt, klärt es mit seinem Anthropic-Account-Team oder Partner Account Manager.
Was die ersten Teilnehmer sich davon versprechen
Die Zitate der Partner sind erwartbar freundlich, aber zwei sagen etwas. Ram Ramalingam von Accenture hebt hervor, dass die Residency «Urteilsvermögen an einer simulierten Unternehmenseinführung prüft, nicht technische Fähigkeiten im Leerlauf». Rodrigo Castillo, CTO-Gruppe der Commonwealth Bank of Australia, nennt eine Zahl: Die Teams dort hätten im letzten Jahr bis zu dreimal mehr Codeänderungen produziert.
Anthropic baut sich die Beraterschicht, die es verkaufen muss
Die Liste der ersten Kohorten ist der eigentliche Hinweis. Accenture, Bain, Capgemini, Deloitte, McKinsey – das sind nicht Kunden, das sind die Häuser, die Claude bei anderen einführen. Anthropic bildet die Leute aus, die danach in fremden Unternehmen über Modellauswahl entscheiden, und drückt ihnen ein Abzeichen in die Hand, das Anthropic selbst vergibt.
Für Entwickler ist der interessantere Teil die Prüfung. Zwei Prüfungen, eine davon an einem Szenario, das man vorher nicht gesehen hat, und ein Zertifikat, das an eine bestandene Praxis gebunden ist statt an einen abgesessenen Kurs. Wenn das Abzeichen in zwei Jahren etwas wert ist, liegt es daran und nicht an den 100 Millionen.
Quellen: