Die Regierung von British Columbia hat am Montag OpenAI verklagt, gemeinsam mit dem Schulbezirk Peace River South. Beklagt ist auch Sam Altman persönlich. Eingereicht wurde in Kalifornien.
Es geht um den Amoklauf an der Schule in Tumbler Ridge am 10. Februar. Sechs Kinder und zwei Erwachsene starben. Der 18-jährige Täter Jesse Van Rootselaar erschoss sich selbst.
Der Anruf, der nie kam
Generalstaatsanwältin Niki Sharma stützt die Klage auf zwei Vorwürfe. Erstens habe OpenAI Drohungen, die auf ChatGPT geäußert wurden, nicht an die Polizei gemeldet. Zweitens sei das Produkt unsicher konstruiert.
Sharma sagt, der Chatverlauf sei alarmierend genug gewesen, um bei OpenAI eine interne Prüfung auszulösen. Zur RCMP ging er nicht. Gelesen hat sie ihn selbst nicht: Die Provinz hat OpenAI aufgefordert, die Chats offenzulegen, und OpenAI hat abgelehnt. Sharmas Kommentar dazu besteht aus einer Frage, die sie an alle richtet – warum eigentlich nicht?
Dass in Kalifornien geklagt wird und nicht in Kanada, begründet sie mit dem Ort der Entscheidung. Nicht zu melden, wurde dort entschieden.
Altmans Entschuldigung steht jetzt in der Klageschrift
Im April hatte Altman sich bei der Gemeinde entschuldigt, in einem Text, den die Lokalseite Tumbler RidgeLines veröffentlicht hat. Der entscheidende Satz: Es tue ihm zutiefst leid, dass man die Strafverfolgungsbehörden nicht auf das im Juni gesperrte Konto hingewiesen habe.
Genau diesen Satz zitiert die Provinz jetzt und nennt ihn ein Eingeständnis: OpenAI habe das Risiko erkannt und nicht gehandelt. Eine Entschuldigung als Beweismittel – das dürfte in jeder Rechtsabteilung der Branche für Nachdenken sorgen.
OpenAI nennt die Ereignisse in einer Stellungnahme eine unaussprechliche Tragödie und verweist auf die laufende Zusammenarbeit mit Behörden.
Nicht Schmerzensgeld, sondern Kostenerstattung
Die Forderung unterscheidet sich von den Klagen der Opfer, von denen Anfang September dreißig weitere eingereicht wurden. Sharma sagt ausdrücklich, es gehe um die Verluste der Provinz: Lehrkräfte, Therapeuten, Opferbetreuung, Polizei – und den Neubau der Schule. Das alte Gebäude wurde im August abgerissen, die Fläche wird wieder begrünt.
Dazu kommt eine Unterlassungsforderung, damit sich so etwas nicht wiederholt. Parallel ermittelt die RCMP weiter strafrechtlich, Anklagen sind nicht ausgeschlossen. Die Chefgerichtsmedizinerin hat außerdem eine öffentliche Untersuchung angeordnet.
Was diese Klage von den bisherigen unterscheidet
Gegen OpenAI wurde schon oft geklagt, und in Florida ermittelt die Staatsanwaltschaft seit April strafrechtlich wegen eines ähnlichen Falls. Neu ist hier, wer klagt und wofür: nicht Angehörige wegen des Verlusts, sondern ein Staat wegen der Kosten, die ihm entstanden sind.
Damit wird die Meldepflicht zur Geldfrage. Ein Unternehmen, das eine Warnung intern prüft und dann nicht weitergibt, riskiert nicht mehr nur seinen Ruf, sondern die Rechnung für alles, was danach passiert. Ob das vor Gericht trägt, ist offen. Dass andere Regierungen zusehen, ist es nicht.