Anthropics Economics-Team hat am Mittwoch «What work can robots do?» veröffentlicht. Der Text baut einen Expositionsindex: Wie viel der körperlichen Arbeit in den USA könnten heutige Roboter erledigen? Das Ergebnis liest sich erst spektakulär und dann sehr nüchtern.
Die vier Stufen
Grundlage ist O*NET mit rund 900 Berufen und etwa 19.000 Tätigkeitsbeschreibungen. Claude hat jede Beschreibung danach bewertet, ob sie körperlich, kognitiv oder zwischenmenschlich fordert. Für die körperlichen hat Claude dann per Websuche nach konkreten Robotern gesucht. Einsätze, Verkäufe oder Vorführungen mussten belegt sein, und der Roboter musste die Arbeit ähnlich zuverlässig und schnell schaffen wie ein Mensch.
Entscheidend ist nicht, ob ein Roboter eine Aufgabe irgendwie schafft, sondern wo:
- E0 steht für: kann er nicht.
- E1 heißt, er kann es in einer für Roboter gebauten Umgebung, etwa am Fließband.
- E2 heißt, er kann es in einer strukturierten menschlichen Arbeitsumgebung, etwa einem Logistiklager.
- E3 heißt, er kann es auch im Chaos, etwa auf einer Stadtstraße.
Gemessen wird also, wie viel Ordnung die Umgebung braucht. Roboter tun sich schwer mit Unvorhersehbarem, deshalb stehen die meisten in gebauten Welten.
74 Prozent, 34 Prozent, 0,3 Prozent
Drei Zahlen tragen die Studie. Roboter können 74 Prozent der körperlichen Tätigkeiten in den USA, und das sind 34 Prozent der Arbeitszeit, überwiegend aber nur in engen Verhältnissen. Zusammen mit den Sprachmodellen sind etwa 80 Prozent aller Tätigkeiten nach Arbeitszeit exponiert. Was übrig bleibt, fordert stark zwischenmenschlich oder verlangt eine Geschicklichkeit, die Robotern fehlt. Fahr- und Lagerberufe trifft es hart, Pflege und allgemeine Reparatur kaum.
Und dann die dritte Zahl. Für 0,3 Prozent der Tätigkeiten ist ein Roboter billiger als ein Mensch. Wenn die Preise so fallen wie bisher, braucht es 40 Jahre, bis dieser Anteil 10 Prozent erreicht.
Die Rückrechnung über 50 Jahre stützt die Methode: Berufe, die 1977 stärker exponiert waren, haben in den Jahrzehnten danach tatsächlich mehr Lohn und mehr Stellen verloren. Die Betroffenen sind laut Studie häufiger männlich, geringer formal gebildet und schlechter bezahlt.
Nicht die Fähigkeit bremst, sondern der Preis
Die Debatte über Automatisierung dreht sich fast immer um Können. Diese Studie dreht sie um. Die Fähigkeit ist weitgehend da, der Preis ist es nicht, und 40 Jahre bis zu zehn Prozent rechtfertigen keine Panik. Anthropic arbeitet dabei mit derselben Methode wie beim Ökonomie-Szenarien-Explorer: erst messen, was heute geht, dann rechnen, statt Jahreszahlen zu raten.
Für uns Software-Leute ist der Nebensatz der eigentliche Satz. 80 Prozent exponiert, davon der kognitive Teil durch LLMs. Die körperliche Hälfte dieser Rechnung wartet noch auf einen Preisverfall. Unsere nicht.
Quellen: